Beim Lesen & Kochen öffnen sich Welten

cookbook.jpgDas ist wohl die treffende Zusammenfassung dessen, was Romane und Kochkunst verbindet. Dass man die Verquickung aber noch ein bisschen enger fassen kann, beweist „Little Library Cookbook. 100 Rezepte aus den schönsten Romanen der Welt“ von Kate Young erschienen bei Wunderraum. Wie oft in Büchern tatsächlich gegessen wird, war mir gar nicht bewusst und so war es nur eine Frage der Zeit bis Nahrung für Geist & Körper einmal so zusammengefasst werden würden. Schöne Idee, das kann ich vorab schon einmal sagen. Sehr ausgefallen und spannend.

Wir legen los mit „Guten Morgen“ und einem „Porridge“ passend zu „Der geheime Garten“. In den Büchern selbst gibt es nur selten tatsächlich Rezepte zu den Gerichten, weshalb die Autorin hier Versionen vorschlägt, die ihr selbst am besten schmecken. Ebenfalls in der Frühe gibt es „Orangenmarmelade“ wie bei „Ein Bär mit Namen Paddington“, „Schwedische Pfannkuchen „Tunna Pannkakot““ nach Pippi Langstrumpf und „Apple Pie“ nach den Eisenbahnkindern. Auch „Früchte-Nuss-Brot“ (Redwall), „Zimtbrötchen“ (Der Distelfink), „Ein sehr weiches Frühstücksei“ (Emma), „Grünes Ei mit Speck“ (Dr. Seuss), „Kedgeree“ (Die letzten Tage der Unschuld), „Baked Beans“ (Unsere kleine Farm) stehen morgens auf dem Tisch. Ziemlich viel Text – neben den meist recht kurzen Zitaten/ Textstellen, in denen es um das entsprechende Gericht geht, gibt es von der Autorin stets Erläuterungen sowie sehr ausführliche Rezepte, weswegen die fehlenden Bilder mir umso mehr auffallen. Zur „Mittagspause“ werden dann „Ein Laib Brot, Pfeffer, Essig und Austern“ (Alice hinter den Spiegeln), „Krebsfleischsalat auf Avocadohälften“ (Die Glasglocke), „Kartoffel-Lauch-Suppe mit Roggenbrot“ (Die Bücherdiebin), „Gefüllte Auberginen“ (Die Liebe in Zeiten der Cholera), „Seezunge mit brauner Butter“ (My life in France), „Gin Martini & Hähnchensandwich“ (Franny und Zooey) und „Bauernschmaus für Fünf“ (Fünf Freunde auf großer Fahrt) gereicht – wobei ich feststelle, dass ich sehr viele Bücher nicht kenne und das dann nur halb so reizvoll finde. Jemand, der gar keines der Bücher kennt, dürfte also vermutlich hiermit so rein gar nichts anfangen können, zumal die fehlenden Bilder das Ganze einfach echt trocken machen. Wenigstens die Cover der Bücher oder irgendwas hätte ich mir einfach gewünscht. Schade.
Weitere Rubriken sind dann noch „It’s teatime“, „Abendessen“, „Schlemmereien um Mitternacht“, „Party & Feste“ sowie „Weihnachten“. Auf die Partys letzten werfen wir dabei noch kurz einen Blick. „Eine gewaltige runde Schokoladentorte“ (Matilda), „Die Törtchen der Herzkönigin“ (Alice im Wonderland), „Biskuit-Trifle“ (Meine freche kleine Schwester), „Flammeri“ (The Diary of Nobody), „Eispudding“ (Cold Comfort Farm), „Himbeer-Shrub“ (Wenn morgen heute ist) sind einige der Ideen für Feste, wobei ich langsam vermute, dass das Problem bei den Büchern ist, dass die einfach in Deutschland nicht ganz so bekannt sind, sondern eher in England/ Australien.
Also die Idee finde ich an und für sich super, aber mit der Umsetzung bin ich nicht ganz glücklich. Ich hätte mir viel mehr inspirierende und ansprechende Bilder gewünscht, denn so bleibt das alles recht nüchtern, was gerade bei den Welten, die einem Bücher offenbaren können doch sehr schade ist.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆ (gemischt)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆ (da man nicht gezielt suchen kann eher ungeeignet)
Geschenkqualität: ☆☆☆ (für Literaturfans und -kenner)
Originalität: ☆☆ (Idee top, Umsetzung hat noch Luft nach oben)