Drei-Gang für Einsteiger

kochenDas erste mal mehrere Gänge zu kochen, ist schon eine Herausforderung. Alles soll zum richtigen Zeitpunkt fertig und perfekt gegart, richtig temperiert und natürlich lecker sein. Damit das auch all denen gelingt, die sich bislang noch nicht daran getraut haben, gibt uns Ursula Furrer-Heim mit „Kochen für Freude. Einfach. Entspannt. Zum Vorbereiten“ (erschienen im at Verlag) dafür die richtige Anleitung an die Hand. 20 verschiedene Menüs erwarten uns in den vier Rubriken „Die Kräuter sprießen“, „So schmeckt Sonne“, „Rascheln im Laubwald“ und „Die Schneeflocken tanzen“. Klassische Rezepte ohne komplizierte Zubereitungen oder Zutaten. dafür mit einem genauen Zeitplan – klingt doch locker.

kochen3.jpgBei den Kräutern verbergen sich die fünf Menüvorschläge „Ein Hauch von Frühling“, „Ganz ohne Fleisch“, „Gediegene Sache“, „Wie zu Großmutters Zeiten“ und „Der Frühling nimmt Fahrt auf“ unter anderem die Rezept-Kombis für „Pfeffriger Blattsalat mit Erdbeeren“, „Spargel-Schinken-Spieße mit Weizen und Korn“, „Leichte Quarkmousse mit Rhabarberkompott“ oder „Karotten im Strudelteig“, „Pastaschnecken mit cremiger Gemüsefüllung“, „Cremeschnitte mit Salz und Karamell“ sowie „Baguette Surprise“, „Kalbsschnitzelröllchen an Madeirasauce“, „Erfrischende Spinatpasta“ und „Ricotta-Beeren-Trifle“.
Die Bilder sind extrem schön und kunstvoll arrangiert, alleine das Anschauen ist eine wahre Freude. Die Rezepte hingegen – finde ich – sind leider nicht der Burner. Für einen simplen Kopfsalat oder ein belegtes Baguette braucht man doch bitteschön keine Anleitung. Das bekommt sogar der studentische Single noch hin. Auch die Hinweise bei der Zubereitung, dass man den Salat und die Erdbeeren am Tag zuvor vorbereiten und getrennt aufbewahren soll – ebenso wie das Dressing, finde ich mehr als lächerlich. Im Prinzip steht da dann umständlich ausformuliert, dass man alles vorbereiten und kühlen muss, um es dann am Tag selbst warm zu machen bzw anzurichten. Wohooo. Ich sag nur: „Servieren: Das Baguette in Scheiben schneiden.“ Ernsthaft?

kochen5.jpg
Während ich manche Details wie „Tassen-Hackbraten mit Käsekern“, „Großmutters Knöpfli mit Knusperzwiebeln“, „Lammnierstück mariniert mit Limettenhonig“, „Würzige Fächerkartoffeln und -karotten“, „Meringueparfait mit Himbeeren“, „Basilikum-Kartoffelstampf mit Ofentomaten“, „Reh mit Apfelschnitzen“ oder auch kochen4.jpg„Rinderemedaillons aus dem Sud mit Eierschwämmchensauce“, „Apfel-Maroni-Tiramisu“ und „Entrecôte Double mit Orangenkräuterbutter auf Orangenlinsen“ ausgefallen, ambitioniert und teils echt anspruchsvoll finde, lösen „Gurkenhäppchen“ (mit Frischkäse gefüllte Gurkenstücke), „Toast-Roulade mit Mango-Gurken-Füllung“, „Randentraum auf Pumpernickel“ (Aufstrich auf Brot), „Birnen-Kohlrabi-Carpaccio mit Käsesauce und karamellisierten Nüssen“, „Melonensalat in der Melonenschale“ und „Beerenspießchen pikant“ eher Kopfschütteln aus. Wer das andere hinbekommt, braucht für diese Sachen sicher kein Rezept bzw keine so detaillierte Anleitung. Irgendwie sind die Rezepte nicht so ganz stimmig, was das Niveau anbelangt. Wenn ich in der Lage bin, Reh und Wild entsprechend zuzubereiten oder Entrecôte, dann bin ich definitiv aus der Phase für Gurkenhäppchen raus. Zumal ich nicht so recht definieren kann, wer die Zielgruppe sein soll. Azubis oder Studis Anfang 20, die noch keine große Kocherfahrung haben, finden sicherlich viele Zutaten zu teuer, die meisten in den 30ern oder 40ern wissen, wie man mehrere Gänge zubereitet und brauchen so ein Buch schlicht nicht oder haben genug Geld, um Essen zu gehen, sofern sie nicht kochen können.
Die Idee finde ich gut, aber die Zusammenstellung der Rezepte für das Komzept einfach nicht ganz stimmig. Trotzdem schöne Ideen und tolle Bilder, die unabhängig von der Idee, die dahintersteckt, sicherlich gut funktionieren und lecker schmecken.

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆ (soll es, aber ich wage es zu bezweifeln)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆ (teilweise, aber Einiges ist zu anspruchsvoll)
Geschenkqualität: ☆☆☆☆ (für alle, die gerne vorbereiten möchten)
Originalität: ☆☆☆ (Konzept funktioniert meiner Meinung nach so nicht, aber die Bilder und Rezepte an sich sind schön)