Biolek ohne Biolek

BiolekWas hab ich mich gefreut, als ich dieses monströse Werk „Biolek: Die Rezepte meines Lebens“ (Tre Torri) mit der eindrucksvollen kupfergoldenen Aufmachung auf den Markt kam. Wer kennt sie schließlich nicht, die Kultsendungen rund um den redseligen Fernsehkoch, dessen letzte Folge „alfredissimo!“ schon über 14 Jahre zurückliegt. Alfred Biolek selbst tritt kaum noch in Erscheinung, lebt sehr zurückgezogen, aber mit seinen mittlerweile 85 Jährchen sei ihm das gegönnt. Umso schöner also, nun diese ultimative Sammlung in Händen zu halten.

biobioWas ich mir als Biolek-Fan erhoffe? Viele Einblicke in sein Leben, Erinnerungen und Erzählungen aus seinen Sendungen und einfach 100 % Biolek. Leider umsonst gehofft. Eine kurze Seite Einleitung und dann vor jedem der 15 Kapitel eine kurze Erklärung, die aber nur ein paar Sätze umfasst und deswegen in absolut überdimensionierter Schriftgröße gedruckt ist, damit die Seite voll wird. Nicht so schön. Bevor die eigentlichen Rezepte abgedruckt werden, gibt es zu Beginn jeder Rubrik ganzseitige Fotos – ungefähr ein Fünftel der Rezepte wird abgebildet, der Rest leider nicht. Wobei ich die Umsetzung persönlich nicht gelungen finde. Vorab diese ganzseitigen Fotografien und dann dahinter eng aneinandergereiht -bämbämbäm- alle Rezepte. Das wirkt unübersichtlich, sehr antiquiert und absolut nicht zeitgemäß. Mag sein, dass Herr Biolek das so noch von früher kennt, aber dieses altbackene Design und die Schrift finde ich nicht ansprechend. 

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Da werden uns dann 40 Salatrezepte hingeknallt, wo ich es doch viel schöner fände, wenn es nur 15 wären und dafür welche, die Herr Biolek mit schönen Geschichten garniert serviert. Und so werden 480 Seiten zum unverdaulichen Stampf statt zum leichten Genuss. Schade. Dabei hätten die Rezepte durchaus Potenzial: „Sauce Hollandaise“, „Klassische Tomatensauce“, „Meine Tomatensauce“, „Olivensauce“, „Fisch-Safran-Sauce bio3zu Bandnudeln“, „Aioli“, „Senfsabayon“, „Oliven-Orangen-Butter“, „Tomatensugo“, „Feldsalat mit Kürbis“, „Warmer Gemüsesalat“, „Salat von weißen Bohnen mit Räucherforelle“, „Sellerie-Salat mit Sauerrahm“, „Orangen-Dattel-Salat mit Parmesan“, „Salat von Chicorée und Crevetten“, „Süßkartoffel-Salat“, „Avocado-Birnen-Salat“, „Asiatischer Hühnersalat mit Karotten und Sternanis“, „Pochiertes Ei auf Toscana-Toast“, „Kohlrabi-Carpaccio“, „Spargel und Schalotten mit Honig-Vinaigrette“, „Auberginen-Tatar“, „Zucchiniplätzchen“, „Käsesoufflé“, „Makrelendip“, „Kokos-Garnelen auf Fenchel-Salat“, „Lachsmousse“, „Enten-Terrine“, „Salzmandeln“.

 

bio4.5„Burgunder-Gugelhupf“ gibt es in den ersten Kapiteln. Bei den Suppen folgen „Hühnersuppe mit Fenchel“, „Kalte Kartoffelsuppe“, „Kürbis-Papaya-Suppe“, „Mangoldsuppe“, „Frische Tomatensuppe mit Quarknocken“, „Wassermelonen-Tomatensuppe mit Mozzarella“, „Wein-Paprika-Suppe“, „Sellerie-Prosecco-Suppe“, „Geröstete Grieß-Suppe mit gebratenen Zwiebeln“, „Fischeintopf mit Safran“ oder auch „Borschtsch“. Kleine Gerichte wie „Safran-Toast“, „Gefüllte Kohlrabi-Schnitzel mit Kartoffel-Avocado-Salat“, „Austernpilze in Käse-Ei-Hülle mit Kräutersauce und Butterkartoffeln“, „Mangold-Sesam-Burger“, „Brokkoli-Flan mit Butter und Parmesan“, „Käseknödel im Wirsingblatt mit Kresse“ und „Calzone mit Steinpilzen und Rucola“ folgen. Alleine dass es 15 Rubriken gibt, zeigt, dass man hier einfach alles abgedruckt hat. Keine Ahnung, ob das ein Anspruch an irgendeine Vollständigkeit war, aber mich erschlägt es einfach. Neben den oben erwähnten Rezepten gibt es dann noch zahlreiche weitere aus den Bereichen „Gemüse“, „Aufläufe & Gratins“, „Beilagen“, „Pasta & Risotti“, „Fisch & Meeresfrüchte“, „Geflügel“, „Fleisch“, „Lamm“, „Wild“, „Desserts“.

bio5Aber zumindest auf die letzte muss ich natürlich noch einen Blick werfen. „Zabaione“, „Ingwerparfait mit Früchtemousse“, „Himbeeraufläufchen“, „Kirschauflauf“, „Topfenpalatschinken“, „Salzburger Nockerl“, „Apfelmichel mit Vanillesauce“, „Grießflammeri“, „Mandelpudding“, „Apfelringe in Bierteig“, „Tarte Tatin“, „Karottenkuchen“, „Marillen-Knödel“, „Apfelpfannkuchen“, „Bömische Liwanzen“ und „Eiskaffee mal etwas anders“. Klassiker und viele bekannte Süßspeisen. Leider alles ebenso seelenlos und unpersönlich wie das gesamte Buch. Wo Biolek draufsteht, muss definitiv mehr Biolek drin sein. 

Anfängertauglichkeit: ☆☆☆☆ (an und für sich alles recht simpel)
Alltagstauglichkeit: ☆☆☆☆ (dafür war die Sendung bekannt)
Geschenkqualität: ☆ (alle Fans wären nur enttäuscht)
Originalität: ☆ (für mich leider so gar nicht überzeugend)