Brunftige Jäger und ihre Beute

hirschNachdem ich Oliver Kern eher zufällig auf einem Wühltisch entdeckt hatte und dabei Fan seines Hobbyermittlers Fellinger geworden bin, habe ich mich unheimlich gefreut, dass es nun den dritten Band „Hirschhornharakiri“ gibt. Der Hygieneinspekteur, der sich in alles einmischt, was ihn nichts angeht, landet diesmal ganz unfreiwillig in den Ermittlungen: als potenzieller Täter. Nach dem sehr alkoholreichen Fest bei der Freiwilligen Feuerwehr gibt es einen Toten, mit dem Fellinger bei der Feier zuvor in Streit gekommen war. Dumm nur, dass die Schnäpse so in Strömen geflossen sind, dass dieser sich an absolut nichts mehr erinnern kann. Warum seine Jacke im Wald bei der Leiche lag, worüber sie sich gestritten hatten und, was er zum Tatzeitpunkt gemacht hat, kann er folglich nicht beantworten. Dass er den Rosenberger, einen Jäger, der nicht nur das Wild regelmäßig eroberte, mit einem Hirschgeweih niedergestochen haben soll, kann er sich aber definitiv nicht vorstellen.
Nach und nach kehrt die Erinnerung an den Tag zurück und je mehr Bruchstücke er hat, desto sicherer ist er sich, dass er mit dem Tod des Jägers nichts zu tun hat.
Amüsant und schön schnoddrig lässt Kern seinen Protagonisten durch die Geschehnisse taumeln, immer kurz davor, seinen Mageninhalt doch noch einmal Revue passieren zu lassen. Kauzige Nachbarn und wortkarge Polizisten- die Charaktere passen gut und auch, wenn ich diesmal ein wenig gebraucht habe, ins Buch zu finden, was an den sehr abgehackten Gedankengängen Fellingers zu Beginn liegen könnte (so denkt man eben mit einem richtigen Schädel), macht das Buch dann wie der Vorgänger richtig Spaß. Wer einen kurzweiligen Krimi mit Regionalflair und dem Charme des Dialektes sucht, der ist hier gut beraten.