Darf man Gefundenes behalten?

fundDas ist jetzt so eine Frage, wobei sich die bei einer größeren Ladung Drogen den meisten wahrscheinlich nicht wirklich stellen würde. Verkäuferin Rita hingegen sieht in dem Kokain („Der Fund“ btb Verlag), das da zwischen den Bananen steckt eine Chance, ihrem trostlosen Leben zu entkommen. Rita, deren einst hoffnungsvoller Start als Schauspielschülerin jäh endet, als die Eltern bei einem Erdrutsch ums Leben kommen und deren zweiter Start in eine glückliche Zukunft durch den Tod des Sohnes erneut zerstört wird, sieht in dem weißen Pulver ihre letzte Chance, doch noch glücklich zu werden. Doch dann ist sie tot.

Die Albaner, denen sie die Ware „geklaut“ hat, vermuten die meisten, doch ist das, was so naheliegend scheint, wirklich der Grund für ihre Ermordung? Was jetzt extrem traurig und dramatisch klingt, liest sich hingegen sehr luftig leicht. Dank Bernhard Aichners unkompliziertem und sehr angenehmem Stil fliegt man geradezu durch das Buch. Zahlreiche Perspektivwechsel, bei denen Rita selbst das Erlebte schildert, der ermittelnde Polizist und diverse Personen aus Ritas Umfeld zu Wort kommen, bilden kurze Kapitel, die das Ganze auflockern. In Dialogen mit Ritas Ehemann, Kollegen und Freunden entwickelt sich allmählich ein Bild der Toten, wobei nie klar ist, wer hier eigentlich die Wahrheit sagt und wer selbst (Kokain-)Dreck am Stecken hat.
Dieser angebliche Thriller, der vielmehr ein Krimi ist – noch dazu ein, wie ich finde, sehr unblutiger – ist der erste, den ich mit einem zufriedenen Bauchgefühl und einem kleinen „Ha!“ zur Seite gelegt habe. Ich bin zufrieden. Mit dem Buch und dem Ende. Auch, wenn ich etliches davon bereits früh geahnt habe, macht es trotzdem großen Spaß, die Ermittlungen zu verfolgen und dem Finale entgegenzusteuern. Super Unterhaltung, schöner Sprachstil und eine deutlich harmlosere Handlung als ich zuerst erwartet hätte.