Ein Ende der Wahrscheinlichkeit

unImmer wenn ich mich über meine Familie aufrege und sie unglaublich kompliziert finde, brauche ich irgendeinen Film oder ein Buch, das mich daran erinnert, dass meine Familie ganz wunderbar ist und alles so viel schlimmer sein könnte 😀 Aktuell wurde es bei mir in diesem Zusammenhang „Das Unglück anderer Leute“ von Nele Pollatschek (Goldmann Verlag), das von der 25-jährigen Thene und ihrer Patchwork-Familie -insbesonderer ihrer Mutter Astrid – handelt. Diese ist immer für alle da, hat für jeden ein offenes Ohr und Verständnis,  nur leider nicht für die Mitglieder ihrer eigenen Familie. 

Das Buch fängt auch ganz nett an, muss ich sagen. Thene reist zu ihrer eigenen Abschlussfeier nach Oxford, im Gepäck den (schwulen) Vater und die Oma. Die Mutter ist bereits vor Ort und möchte unterwegs eingesammelt werden. Bereits auf dem Hinflug offenbaren sich die Abgründe zwischen den Familienmitgliedern, die sich mehr oder weniger nahe stehen. Zumindest eine Gemeinsamkeit haben sie alle: sie können Astrid nicht ausstehen. Dass diese jedoch vor ihrer Ankunft auf der Autobahn überfahren wird, hätte ihr dann doch keiner gewünscht.
In Rückblenden erfahren wir Einzelheiten zum Verhältnis von  Mutter und Tochter, erfahren im Fortgang der Geschichte, dass es noch zwei jüngere Geschwister mit anderen Vätern gibt, der Vater mit einem Mann liiert ist, der Vater von Thenes Bruder ultra-orthodox wurde, ihre Großmutter väterlicherseits Alkoholikerin ist, die zwischenzeitlich lesbisch war…. alles also extremst verwirrt und konstruiert. Ich persönlich fand die Story recht unterhaltsam, aber irgendwann einfach nur noch anstregend, deprimierend und deprimierend. Dass dann nach der Mutter erst die Großeltern von väterlicher Seite sterben (die betrunkene Oma erschlägt den Opa und stirbt dann an der Alkoholvergiftung), dann die zweite Oma (Krebs und Hitzschlag), dann der Vater und sein Freund (Absturz vom Dach)…. und am Schluss alle tot sind, sorry, ab der dritten Leiche war das nicht mal mehr makaber, sondern nur noch dämlich und ärgerlich.
Könnte ich die Stunden, die ich in das Buch investiert habe, zurückholen, ich würde es tun. Aber immerhin ein Gutes hatte das Buch: Ich weiß wieder, dass meine Familie definitiv ein Glücksgriff ist!

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