Der Mann und das Ziel „Gourmetküche“ mit Björn

SternekücheEigentlich hätte ich unheimlich Lust mal so richtig „Gourmetküche“ zu versuchen, sagte der Mann eines Tages. Hast du dafür ein Kochbuch? Ich musste zugeben, dass ich das nicht hatte, denn so hochgestochene Ambitionen waren bis dato nicht meins. Aber wenn der Mann diesen Wunsch hegt, dann möchte ich ihn doch auf keinen Fall davon abhalten – schließlich profitiere ich ja davon. Also ein klarer Deal: Ich besorge Bücher, er kocht. Klingt fair dachte ich mir und machte mich im Netz auf die Suche nach entsprechendem Material. Irgendwie schwirrten mir so Lafer, Lichter, Nelson Müller, Hensler, Schubeck und diverse andere im Kopf rum, aber irgendwie bin ich mir da nicht mehr so sicher, wer da tatsächlich jetzt Sternenträger ist und wer nur populär. Also mal fix in der Datenbank recherchiert – und festgestellt, dass Deutschland 290 Sterneköche hat (davon ganze 6 weiblichen Geschlechts, was definitv verbesserungswürdig ist). Aber wen haben wir denn da so und wer von denen hat auch noch ein Buch geschrieben?

Sterneküche2Also den Juan Amador, den Harald Wohlfahrt und den Norbert Dobler kenne ich als Ex-Mannheimerin natürlich und dann wären da noch Holger Bodendorf, Alexander Hermann, Christian Jürgens, Kolja Kleeberg, Christian Lohse, natürlich Johann Lafer, Tim Raue, Frank Rosin und Andreas Schweiger, die in diversen Kochformaten regelmäßig zu Besuch in meinem Wohnzimmer sind. Okay, der Mann hat gesagt, dass er ausdrücklich kein Kochbuch will, das „ein Sternekoch für Hausfrauen geschrieben hat“. Das soll schon richtig Sterneküche sein so mit ausgefallenen Zutaten, stundenlangem Schnippeln und Einkochen, Reduzieren und Passieren. Große Worte, aber wenn der Mann das wünscht, wird das natürlich wunschgemäß ausgeführt. Ein Buch also, das schon außen Sterneküche verspricht und innen das Versprechen hält. Ich lande schlussendlich bei „Sterne-Snacks – Kleine Zaubereien aus der Sterneküche“ von Björn Freitag (Ecker-Joest-Volk-Verlag), das optisch schon eindeutig überzeugt und von den Rezepten her bei mir ein schweres „uff“ auslöst. Passt also. Zusätzlich wähle ich noch aus der Riege der Franzosen den großen Ducasse aus.
Der Mann bekommt die Bücher und ich habe erst einmal ein paar Stunden frei wärend er sich einliest. Dann die erste frohe Botschaft: Ich darf auswählen, was er kochen soll. Ich denke „wenn schon, denn schon“ und setze auf „Spargelcappuccino mit feinen Tranchen vom Rinderfilet an Thunfisch und gebratenem Spargel“ – alles ziemlich edle Zutaten und wenn der Mann es versaut, war’s ein teurer Versuch… aber der kriegt das bestimmt hin. Die Besorgung der Zutaten ist kein Problem, das Zubereiten hingegen schon eher. Dass die Anleitung extrem knapp gehalten ist, bedeutet nämlich keineswegs, dass es einfach ist. Während manche Kochbücher es einfach zugut meinen und einem jeden Minischritt genau erklären, heißt es hier sinngemäß „Fleisch braten, Thunfisch schneiden, Spargel schneiden und braten – fertig“. Wie lange weiß der Mann nicht, wie groß weiß er nicht und ob man irgendwas salzen oder pfeffern soll, wird auch nicht verraten. Innelich lache ich ein wenig – ein echter Sternekoch macht das halt so automatisch, dass er diese Schritte nicht extra erwähnen muss.
sterne3Schlussendlich landet das Ganze dann auch auf dem Teller und ist ganz okay. Ein bisschen enttäuschend fad ( der Mann hat sich dazu entschlossen, sich direkt an die Vorgaben zu halten und wenn die nicht von Salz reden..) – ein wenig unspektakulär, denn in erster Linie kommt Olivenöl zum Einsatz und die Suppe ein bisschen sauer („Wieviel Zitronensaft stand da nicht.“)  Für die Majo, so gibt er zu, welche als Sauce unter dem Ganzen fungiert, habe er diverse Youtube-Tutorials angeschaut, weil auch hier nicht steht außer „x+y+z zusammenrühren, abschmecken und anrichten“. „Anfängerhinweise“ wie die Reihenfolge, Tipps zur Temperatur der Produkte oder gar das Übliche „das Olivenöl langsam hinzugießen und währenddessen rühren“ gibt es halt bei dem Niveau nicht mehr. Der Mann wird trotzdem gelobt – sonst gibt es ja kein nächstes Mal ^^.

Der Mann hat Gäste zum Essen und weil er das Projekt „Sterneküche daheim“ noch immer verfolgt, gibt es zum Nachtisch „Björns Bloody Crêpes Suzette“, also Pfannekuchen mit einer Orangensorbetfüllung und Orangensirup. Ich glaube es ist ganz gut, dass ich die Vorbereitungen nicht mitbekomme, denn der Mann flucht ziemlich. Er wisse nicht wie groß die Orangen hätten sein müssen, außerdem gebe es gerade keine Blutorangen in Deutschland und irgendwie dicke die Parfait-Masse oder was auch immer das geben soll nicht ein. Ich probiere das, was aus dem Eisfach kommt und schmecke… Campari. Ganz penetrant Campari und sonst nichts. Er scheint auch nicht ganz glücklich zu sein, hofft aber auf ein paar Stunden mehr Kühlung und einen positiven Ausgang. Abends macht er dann noch den Sirup (erneut mit Campari), die übelst raucht und bitter schmeckt. Die Pfannekuchen, die er zuvor hergstellt, mit der Masse gefüllt hat und wieder im Eisfach verstaut hat, sehen gut aus, kennen aber nur zwei Aggregatszustände: Gefroren und flüssig. Die Gäste finden es trotzdem lecker… ich halte mich da raus, weil ich Campari einfach nicht im Nachtisch mag. Zum Glück darf ich bei, nächsten Experiment wieder auswählen, was auf den Tisch kommt ^^

Anfängertauglichkeit: ☆
Alltagstauglichkeit: ☆☆
Geschenkqualität: ☆☆☆
Originalität: ☆☆☆☆☆

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