Eine Tote und lauter skurrile Verdächtige

girl.jpg„Eine verschlafene Kleinstadt in Colorado. Ein schreckliches Verbrechen, das drei Menschen mit ihren geheimsten Ängsten konfrontiert und die Idylle des Ortes am Fuße der Rocky Mountains jäh entlarvt. Denn alle wissen: Nichts geschieht ohne Grund.“ Dieses Zusammenfassung gibt ja ganz ehrlich nicht wirklich viel her, aber weil das Buch unter anderem von der New York Times Book Review und dem Wall Street Journal sehr gelobt und als fesselnde Story bezeichnet wurde, war ich gespannt auf „Girl in Snow“ von Danya Kukafka (btb Verlag).
Der Klappentext gab dann schon mehr Infos preis: „Ein eisiger Februarmorgen. Ein schreckliches Verbrechen. Auf dem Spielplatz der Grundschule von Broomsville entdeckt der Nachtwächter die Leiche der jungen Lucinda Hayes – unter einer dünnen Schneedecke begraben. Sämtliche Spuren hat der frisch gefallene Schnee verwischt. Niemand in der beschaulichen Kleinstadt am Fuße der Rocky Mountains bleibt von der Tat unberührt – nicht der Junge, der Lucinda verstohlen auf Schritt und Tritt gefolgt war und der sich nicht mehr an den Vorabend erinnern kann. Nicht die junge Frau, die sich nach dem perfekten Leben sehnt, das Lucinda scheinbar führte. Nicht der Polizist, der den Mord untersucht und den der Fall auffallend mitnimmt. Denn alle drei wissen: Nichts geschieht ohne Grund.“
Der Krimi schildert die Geschehnisse immer aus den drei unterschiedlichen Perspektiven von Russ (Polizist), Cameron („Stalker“) und Jade (junge Frau), wobei dieser Wechsel zu Anfang extrem schwierig ist. Jede der drei Figuren ist ein spezieller Fall mit so großen Problemen und psychischen Beeinträchtigungen, dass es eine ganze Weile dauert bis man den Geschehnissen folgen kann. Während Jade mit sich und dem Leben hadert und sich an Erlebnisse mit einem Nachbarsjungen erinnert, die aber nur lückenhaft hervorbrechen, führt sie in Form von Drehbuchauszügen Selbstgespräche. Cameron scheint massive psychische Schäden zu haben, die man nicht klar zu fassen kriegt, die er aber immer als „Verwirrtheit“ und die Notwendigkeit sich „zu entwirren“ beschreibt. Zudem leidet er unter dem Verschwinden seines Vaters, der Polizist war und offensichtlich ein „böser Mensch“, dessen Gene Cameron geerbt zu haben befürchtet. Der Polizist Russ erinnert sich in Auszügen immer an Camerons Vater, wobei nicht klar wird, in welcher Beziehung die beiden tatsächlich zueinander standen…. viel Stoff also, der neben dem eigentlichen Mordfall einfließt.
Die Idee ist gut, die Handlungsstränge sind gut miteinander verwoben und machen durchaus Sinn, aber das Ganze ist unglaublich anstrengend und verworren. Mich hat das Lesen teilweise übelst ermüdet und ich habe mehrmals gegen den Wunsch ankämpfen müssen, das Buch unbeendet zur Seite zu legen, weil es einfach „too much“ war. Zu viele Innensichten, zu viele psychische Problemfälle, zu viele komplizierte Geschehnisse in der Vergangenheit, die hier aufgegriffen werden. Außerdem kommt die Auflösung dann doch recht plump und ohne große Erklärung daher und lässt einen mit dem Gefühl zurück, dass die Autorin hier schnell ein Ende finden wollte, das einen logischen Schluss bietet ohne auf die ganzen vorherigen Psycho-Faktoren eingehen zu müssen. Kann man machen, ist aber einfach irgendwie unbefriedigend. Die guten Bewertungen kann ich nur sehr bedingt nachvollziehen.