Fränkisch frei Schnautze

bier+Dialekte sind zumeist (so etwas wie sächsisch lasse ich da mal außen vor) etwas Wunderbares. Weil sie einem verraten, woher der andere kommt, weil sie Kultur und Identität schaffen und die Deutsche Sprache so herrlich vielfältig machen.  Ob man da dann wirklich immer alles versteht und vor allem richtig versteht, das hängt aber wiederum davon ab, wie ausgeprägt der Dialekt ist. Und wenn dann noch kulturelle Unterschiede im Ausruck dazu kommen oder schlicht jedes Völkchen so seine Empfindsamkeiten hat, dann wird es durchaus kompliziert.
Einen Beitrag zur „Völkerverständigung“ liefert hier zum Beispiel Tommie Goertz mit seinem „Auf dem Keller. Biergeschichten“ (Ars vivendi), in dem er nicht nur das Wesen des Franken, seinen Dialekt, sondern auch seine Vorliebe für Bier erklärt. Schwerpunktmäßig dreht es sich hier um die Figur des „Wirtes“ und die Abläufe im Gasthaus. In rund 35 Kurzgeschichten schildert der Verfasser Erlebnisse und Begegnungen mit Wirten und versucht, dem Leser deren Wortkargheit und Brummeligkeit zu erklären. Bier gibt es natürlich auch in jedem der kurzen Texte. Dass die Inhaber meist grimmig rüberkommen, es aber nicht böse meinen, sondern schlicht dem Bemühen um eine kurze und präzise Kommunikation geschuldet.
Die Geschichten eignen sich hervorragend, wenn man mal 10 Minuten was lesen möchte, ohne großen Zusammenhang, können aber auch leider auch wirklich nur kurz unterhalten. Ich selbst muss bei den stark dialektalen Zitaten an manchen Stellen bestimmt fünfmal drüberlesen bis ich verstehe, was hier gesagt wurde und stelle fest, dass es definitiv wesentlich leichter ist, den Dialekt gesprochen zu verstehen als ihn beim Lesen zu erfassen. (»Wos könnersmern embfehln?« »Der Rinderbrohdn müsserd wech. Und Brohdwöschd machn ah ned vill Ärbädd.« )

Für alle, die demnächst einen Ausflug zu den Franken planen und dabei den ein oder anderen Wirtshausbesuch in Angriff nehmen möchten, ist das sicherlich eine ganz hilfreiche Lektüre, damit man sich vorab mit der teils ruppigen Art anfreunden kann.

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