Genderproblematik gut verpackt

VerhWelche Auswirkungen die Affäre der jungen Praktikantin mit einem Kongress-abgeordneten für sie selbst und diverse andere Beteiligte hat, zeigt eindrucksvoll „Das Verhältnis“ von Gabrielle Zevin (Diana Verlag). Wäre nicht der verhängnisvolle Unfall passiert, bei dem Aviva mit im Auto ihres Bosses saß, wäre die ganze Geschichte nie ans Licht gekommen. Stattdessen entgleitet Aviva auf einmal alles…

Spannend ist, dass die Entwicklung auf unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Wir hätten da zum Beispiel die Sicht von Avivas Mutter, die Sicht der Abgeordneten-Gattin und natürlich die der Protagonistin selbst, deren Erlebnisse am Schluss in Blog-Einträgen geschildert werden. Schockierend ist insbesondere, dass alle negativen Reaktionen und Auswirkungen ausschließlich die Praktikantin treffen, der beteiligte Politiker keinen bleibenden Schaden erleidet und über Jahre hinweg sein Amt halten kann. Während die Gesellschaft Aviva ächtet und diese trotz zweier Universitästabschlüsse keinen Job findet und schlussendlich gezwungen ist, mit Anfang 20 ihre Zelte abzubrechen und sich unter neuem Namen ein neues Leben aufzubauen, stellt man den doppelt so alten Kongressabgeordneten als Opfer dar, dem verziehen wird. Was so pervers klingt ist in Zeiten von #metoo leider gar nicht so abwegig.

Das Buch liest sich super und bleibt auf seine Art spannend bis zum Schluss, weil einfach keine Entwicklung vorhersehbar ist. Man leidet mit Aviva und ihrer Familie, verflucht den Politiker und seine Ehefrau und fragt sich, wie das alles nur sein kann. Zum Glück haben wir es aber mit einer äußerst starken Protagonistin zu tun, die sich so leicht nicht unterkriegen lässt.