Intrigen in der Sterneküche

RezeptEin Mord in der Sterne-Szene und ein ermittelnder PR-Agent, das sind die Zutaten bei „Riskante Rezepte“ von Birand Bingül. Der zweite Band um Mats Holm spielt in der eigentlich idyllischen Urlaubsregion Jork im Alten Land (Niedersachsen), wohin ihn der Notruf einer alten Bekannten zieht. Dort verstarb ein bekannter Richter während des Essens in Bianca Veths Edelrestaurant. Zufall oder Anschlag – alles ist denkbar.

Im Familienbetrieb geht es, wie Mats schnell feststellen muss, weit weniger harmonisch zu als gedacht. Die Mutter hat eine Affäre mit dem besten Freund des Vaters, der Vater verheimlicht vor allen die schechte wirtschaftliche Situation des Hauses und Biancas Bruder fristet ein Schattendasein neben seiner talentierten Schwester.
Und dann wären da auch noch der Sous-Chef, der eigentlich viel lieber selbst im Rampenlicht stehen würde und Mats alte Bekannte Katta, die sich als Promi-Managerin um Bianca und ihr Image kümmert. Dass sie sich in der Extremsituation einen Profi in Sachen Selbstvermarktung ins Boot holt, ist da nur verständlich. Doch was ist wirklich passiert und wer spielt hier ein falsches Spiel?

Was ich besonders gelungen finde, ist die neue Perspektive, denn ich kann mich bislang nicht daran erinnern, schon mal einen Roman gelesen zu haben, in dem ein PR-Berater die Hauptfigur ist. Seine zum Teil erschreckend rationalen Gedanken, die stets in erster Linie um die Wahrung des Scheins bemüht sind, sind durchaus spannend zu verfolgen. Einerseits ist er bemüht, die Hintergründe er erfahren, andererseits möchte er Bianca schützen und ihr Image retten. Welchen Einfluss soziale Medien und Kommunikation haben können, ist beängstigend real und führt uns einmal mehr vor Augen, wie gut man vieles verschleiern kann, wenn man die richtigen Worte und die richtige Taktik wählt. Was mich ein bisschen stört und den Lesefluss etwas hemmt, sind die parallelen Handlungen und die vielen offenen und unausgesprochenen Themen. Holms Tochter hat einen Privatermittler engagiert, der den Freitod der Mutter vor mehreren Jahrzehnten nochmals untersuchen soll, Holms Partnerin ist die Schwester seiner verstorbenen Frau, bei der man sich auch nicht ganz klar darüber wird, was sie eigentlich von ihm will. Und dann gibt es immer wieder diffuse Andeutungen und Ausblicke auf den Folgeband, was ich so gar nicht mag. Ist schon klar, dass man am Ball bleiben soll, aber mir ist das an einigen Stellen einfach zu plump.
Trotzdem ein spannendes Buch, das mal eine ganz andere Perspektive bietet.