Klugscheißern zum Thema „Wein“

weinEs gibt ja in den  meisten geselligen Runden so einen, der dadurch heraussticht, dass er immer und über alles besser informiert ist und das in aller Regel auch laut kund tut. Gemeinhin nennt man den dann „Klugscheißer“ oder „Besserwisser“. In der Pfalz äußern sich diese BWs und KS‘ erstaunlich häufig zum Thema „Wein“. Anstatt sich verunsichern zu lassen, finde ich es viel amüsanter, wenn man es Ihnen „heimzahlt“, indem man es einfach noch ein bisschen besser weiß. Mit „Populäre Weinirrtümer. Ein unterhaltsames Lexikon“ von Marcus Reckewitz (Anaconda Verlag) hätte ich da schonmal ein restes Werk, mit dem das ganz sicher gelingt. Von „A“ wie Alkohol und der Frage, b der Alkohol beim Essen verdampft, geht es auf den rund 200 Seiten einmal durchs Alphabet bis zu „Z“ wie Zucker und der Frage, ob Weine gezuckert werden dürfen. Ich halt mich selbst ja für recht gut informiert und über ein profundes Wein-Allgemeinwissen verfügend, aber auch ich bin dem ein oder anderen Irrtum aufgesessen, stelle ich erstaunt fest. Neben Fragen für Einsteiger wie „Muss Wein atmen?“, „Was bedeutet Barrique?“, „Wie beeinflusst der Boden den Wein?“ und „Was is der ideale Kochwein?“ geht es bei den Aspekten „Biowein“, „Discounter-Wein“, „Korken“ und „Klimaerwärmung um grundsätzliche Fragestellungen, mit denen sich die meisten Weintrinker wohl hin und wieder auseinandersetzen. Die Frage, ob es in Ordnung ist, Holzchips einzusetzen, Wein für Kleckerlesbeträgezu erwerben und Kork versus Schraubverschluss muss nämlich jeder ganz individuell für sich entscheiden. Und genau hier muss ich eine kleine Kritik anbringen.
Mir persönlich gefällt es deutluch besser, dass das für und wider unterschiedlicher Wein-Aspekte beleuchtet wird, aber um wirkliche „Weinirrtümer“ handet es sich nicht. Da werden vielmehr verschiedene Sorten vorgestellt, wir erfahren, welchen negativen Einfluss Naturkorken auf die Umwelt haben und was es zum Beispiel mit der Spälese auf sich hat. Für mich ist das definitiv interessanter als ein Werk mit reinen Irrtümern, weil es das ja schon mehrfach auf dem Markt gibt und man die meisten Mythen ja mittlerweile geklärt hat. Von daher finde ich den Titel leider ein wenig irritierend und irreführend – wer bereits über ein „Basiswissen Wein“ verfügt, wird dieses Werk vielleicht gar nicht erst in Betracht ziehen, weil es einen falschen Eindruck vom Inhalt vermittelt. Das finde ich wirklich schade, denn ich persönlich fand das „Lexikon“ unterhaltsam, vielfältig und durchaus lohnend. Wie gesagt – auch mir war nicht alles bekannt, was ich hier gelesen habe. Von daher kann man das Werk durchaus auch einem Wein-Freund schenken, der vielleicht noch die ein odere andere Wissenlücke füllen möchte.

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