Lebensplanung mit 30

jesoloMit 30 spätestens muss man sich dann doch irgendwann entscheiden, was man sich vom restlichen Leben erwartet. Familie und Kinder, Karriere, Reisen oder etwas ganz Anderes? Andi hingegen schiebt die Entscheidung immer weit von sich. Irgendwie ist sie mit ihrem kinderlosen Leben recht zufrieden und es ist bequem, weswegen sie auch klaglos alljährlich den immer gleichen Urlaub in „Jesolo“ hinnimmt. Der Job ist nicht perfekt, der Freund eigentlich auch nicht so der Passende, aber um an der Situation etwas ändern zu wollen, reicht es nicht. Freund Georg hingegen drängt seit längerer Zeit darauf, dass sie endlich Entscheidungen treffen soll. Zu ihm stehen, zu ihm ziehen und eine Familie gründen. Nach dem gemeinsamen Urlaub stehen alle Zeichen auf Trennung. Doch dann merkt sie, dass sie schwanger ist.

Möchte sie das Kind oder nicht? Möchte sie es mit dem Vater gemeinsam aufziehen oder nicht? Ist sie bereit auf das Leben in der Stadt zu verzichten und mit Georg auf dem Land in das Haus seiner Eltern dazuzuziehen? Und ehe Andi sich versieht, hat sie einen Kredit aufgenommen, die Wohnung bei den Schwiegereltern in spe renoviert und bezogen und muss sich in ihrer Rolle als Mutter finden, die sie sich so nie gewünscht hat.
Während für die Menschen um sie herum alles so klar zu sein scheint und es nur einen „richtigen“ Weg gibt, hadert Andi mit ihrem Schicksal und ficht innerlich mit sich. Dabei malt sie sich zu allen Szenarien mehrere mögliche Ausgänge aus – und man spürt als Leser so nachvollziehbar ihre Unsicherheit und innere Zerrissenheit, dass man sie so gerne in den Arm nehmen und ihr versichern möchte, dass alles gut wird.
Eigentlich schlimm, wie das gesellschaftliche Rollenbild der Frau heute immer noch klar diktiert, welche Werte ab 30 wirklich wichtig sein müssten und welcher Lebensentwurf als wahr und regelkonform festgelegt ist. Für mich als Frau im gleichen Alter beklemmend, absolut nachvollziehbar und sehr ehrlich dieser Roman. Großartiges Erstlingswerk von Tanja Raich.