Leckeres Chili – leider tödlich

51imulsmi8l-_sx307_bo1204203200_Kulinarische Krimis gehen ja immer, auch, wenn ich diesmal an meine dialektalen Grenzen stoße. „Fränkisches Chili“ heißt der Kriminalroman von Susanne Reiche (ars vivendi), in dem sich alles um besagtes Essen dreht bzw um die tödliche Wirkung der Speise. Ein Priese Fingerhut beendet das Leben eines erfolgreichen, aber allseits unbeliebten Bauunternehmers, doch wie sich schnell herausstellt, lagen zwischen dem Verschwinden des Unternehmers und seinem Auffinden auf einem Acker Monate. Monate, in denen die Ehefrau versucht hat, ihn für tot erklären zu lassen, um an sein Erbe zu kommen. Dass der Ermordete kein Kind von Traurigkeit war, seine außerehelichen Aktivitäten ein offenes Geheimnis und seine illegalen Absprachen nur gut getarnt wurden, lässt viel Raum für Spekulation. Neben der Witwe gibt es da noch zwei Exfrauen, diverse Affären, etlich verärgerte Kunden und Partner sowie eine uneheliche Tochter, die alle gute Gründe gehabt hätten, seinem Leben ein Ende zu setzen.
„Eine frische Krimistimme: die Siegerin des Publikumspreises beim 3. Fränkischen Krimipreis mit ihrem ersten Roman. Mit viel trockenem Humor und Lokalkolorit wird der fränkischen Seele auf den Grund gegangen“ heißt es beim Herausgeber und dem regionalen Charme kann ich nur zustimmen- wenn auch manche Textpassage im Original mich vor viele Fragezeichen stellt. Da muss ich dann schon zwei-dreimal drüber lesen bis ich es schaffe, das zu verstehen.
Wie bei allen Krimis in letzter Zeit haben wir es hier mit einem unsportlichen Kommissar zu tun, der dem Essen und dem Alkohol nicht abgeneigt ist, dafür aber mit seiner unkonventionellen und charmanten Art überzeugt. Ob der Tatsache, dass er zwar einen Führerschein besitzt, sich aber weigert, Auto zu fahren, sich im Büro über den Akten des aktuellen Falls rasiert als der Chef ihn aufsucht oder man das Gefühl hat, dass er eigentlich nie nüchtern ist – so oft wie hier irgendwas gebechert wird – man schließt Kastner ins Herz. Von Machtspielchen lässt er sich nicht beeindrucken und sperrt die exzentrische und überheblliche Witwe des Bauunternehmers kurzerhand mal eben als Denkzettel ein,  über die Anweisungen seines Chefs   setzt er sich konsequent hinweg  und von klassischen Verhör-Methoden hält er nicht allzu viel  und das macht ihn mir sympathisch. Dass er den Fall mehr durch Zufall löst – sei’s drum. Ich hatte meinen Spaß, war einige Stunden gut unterhalten und kann das Buch allen, die ein bisschen dialekterfahren sind, definitiv empfehlen.

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