Mysteriös und merkwürdig – kein King!

freund.jpgNachdem Stephen Chebosky mit seinem „Der unsichtbare Freund“ als neuer Stephen King angepriesen wurde, wollte ich mir das auf keinen Fall entgehen lassen. Ein siebenjähriger Junge, der in einem Wäldchen verschwindet und erst nach sechs Tagen wieder auftaucht, sich an nichts erinnern kann aber plötzlich kein Legastheniker und lernschwacher Schüler mehr ist, sondern ein Überflieger, das klingt super. Und die ersten Seiten lesen sich auch bemerkenswert schnell.
Ich sage „die ersten Seiten“, weil ich nach gefühlt 8 Stunden lesen kein Stück vorangekommen bin und erschrocken feststelle, dass dieser Wälzer ernsthaft 909 Seiten hat. Na, das nenne ich eine Herausforderung. Da hab ich wenigstens mal Zeit, mich  mit dem Protagonisten ein wenig anzufreunden, bevor das Buch schon wieder zu Ende ist. Und es liest sich super spannend. Ein kurzer Prolog, der 50 Jahre zuvor spielt, mit einem kleinen Jungen namens David, der wahnsinnige Angst hat und vor zischenden Stimmen und dunklen Schatten flieht – okay, keine Ahnung, worum es da geht, alles recht verworren, aber dafür ist im hie rund jetzt alles klar: Chris und seine Mutter fliehen vor deren aggressivem Freund in ein kleines Städtchen namens Mill Grove, in dem es so gut wie nichts gibt – vor allem nur einen Weg rein und raus. Umzüge kennt er bereits und so findet er sich schnell  mit der Situation ab. Seine Mutter nimmt die Arbeit im ortsansässigen Altersheim auf, der besucht die örtliche Schule. Dann kommt seine Mutter zu spät, um ihn von der Schule abzuholen und er folgt einer lächelnden Wolke, die er bereits mehrfach beobachtet hat in den Missionswald, ein kleines Wäldchen, dessen Zutritt verboten ist, weil dort gebaut werden soll. Und dann bleibt er die oben erwähnten sechs Tage verschollen.
Was genau in dieser Zeit passiert, erfährt man bis zum Ende nur vage. Allerdings ist er danach wie verwandelt und quasi ein kleines Genie, das nicht nur Mathe perfekt beherrscht, sondern mit den Lösungen der Matheklausur seiner Mutter zum Lottogewinn verhilft so dass alle bis dato herrschenden Geldsorgen vorbei sind. Ach, es ist schon extrem kurzweilig, was da passiert und es liest sich echt gut bis es dann auf einmal anstrengend wird. Parallelwelten und zischende Ladys, nette Männer und Briefkastenmenschen – irgendwann ist es mir einfach ein bisschen zu viel. Es darf ja gern mystisch und geheimnisvoll sein, aber wenn dann auf einmal Gott, Teufel und alle ihre Finger im Spiel haben, dann ist das einfach zu viel des Guten.
Ich hab mich komplett durchgekaut, obwohl ich ab Seite 600 absolut keinen Nerv mehr hatte und habe es dann bitter bereut, weil mich das Ende leider kein bisschen befriedigt hat. Nächstes mal 300 Seiten weniger und ein bisschen weniger hui und hoppala und ich bin gerne bereit, es noch einmal mit dem nicht-King zu probieren. Aber das Buch war echt anstrengend und in Summe frustrierend.