Nackt, betrunken & unspektakulär

kalsa.jpgNachdem es in mehreren Zeitschriften gehypt wurde, musste ich mir „Kalsarikänni. Vom großen Spaß, sich allein zu Hause in Unterwäsche zu betrinken“ von Miska Rantanen aus dem Goldmann Verlag einfach holen. Klang zu gut. „Die Dänen lieben Hygge, kuscheln sich gerne gemütlich ein und trinken literweise heiße Schokolade. Da das ziemlich auf die Hüften geht, haben die Schweden das etwas moderatere Lagom erfunden. Ein bisschen Schoki, aber nicht zu viel davon. So richtig viel Spaß macht Mäßigung dann aber doch nicht, weswegen die Finnen nun mit Kalsarikänni durchstarten, was so viel bedeutet wie: sich allein zu Hause in Unterwäsche betrinken“ wirbt der Verlag und ich schmunzle.
Wer kennt das nicht: Zu müde, um nochmal das Haus zu verlassen, aber Lust auf den ein oder anderen Drink, keine Lust, sich noch einmal schick zu machen oder schlicht blödes Wetter (davon gibt es in Skandinavien ja reichlich), bei dem man auch nicht vor die Tür möchte. Was ist da leichter als sich den gemütlichen Umtrunk einfach daheim zu gönnen. Und wenn man schon keinen gesellschaftlichen Zwängen unterworfen ist, bietet es sich eben an, das in möglichst entspannter Kluft zu tun (Unterwäsche, Jogginghose oder Schlafanzug). Soweit klingt das nach einem Standard-Abend meiner Studentenzeit – abgesehen vom Bekleidungszustand…
Ob alleine oder zu zweit, bei Bier oder Wein, vorm Fernseher oder nur untermalt von Musik, entspannend soll der Abend sein und einem die Alltagslast von den Schultern nehmen. Das liest sich die ersten paar Seiten recht unterhaltsam, wird aber leider dann doch ab dem zweiten oder dritten Kapitel ein wenig öde, weil sich im Grunde genommen alles nur wiederholt. Da wird dann zwar vertiefend ein Blick auf die auszuwählenden Alkoholika geworfen oder die Gestaltung der räumlichen Umgebung, die passende Musik oder auch den Umgang mit sozialen Medien, im Prinzip ist aber nach den ersten paar Seiten alles gesagt und der Witz wird schlicht nicht lustiger, wenn man ihn in unzähligen Spielarten wiedergibt. Schade.
Verschiedene Statistiken und Schaubilder sind ganz amüsant, aber reißen es dann eben doch nicht und so wirkt das Buch für mich einfach sehr bemüht. Bemüht darum, eine gute Grundidee, die leider nicht für ein ganzes Buch reicht auf 180 Seiten auszudehnen und sei es, indem man verschiedene Arten sein Bier in kurzer Zeit kalt zu bekommen, präsentiert. Dafür brauche ich aber halt nicht wirklich ein Buch, dafür habe ich Googel und diverse Hacks. Für mich das Fazit also ein wenig ernüchternd. Lustige Idee und gutes Marketing, aber leider zu wenig für ein seitenfüllendes Werk.