Pfalz+Wein+Mord= ? Unnötig!

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Mit den Regionalkrimis ist das ja so eine Sache. Die schießen aus der Erde dass man sich nur wundern kann, woher denn plötzlich so viele Autoren kommen. Eine Erklärung könnte sein, dass – so scheint es mir zuweilen – beim Thema Regionalkrimi plötzlich jeder Schreiberling, der zwei grammatikalisch korrekte Sätze zustande bekommt meint, sich einbringen zu müssen. Ein Beispiel für diese leider so gar nicht gelungenen Kurzgeschichten mit örtlichem Bezug ist „Tatort Weinland Pfalz. 17 Kriminal-Geschichten“ von Angela Esser (Herausgeberin) aus dem Ars Vivendi Verlag.
17 mehr oder weniger bekannte Autoren, darunter Esser selbst, Gina Greifenstein (sonst eher ein Name für ihre Kochbücher) und Harald Schneider (Verfasser der Palzki-Krimis). Eigentlich hätte ich hier schon vorsichtig sein müssen, denn das, was ich von den dreien kenne, zeichnet sich selten durch Anspruch, Sprachgefühl und ausgereifte Handlungen aus. Die letzten Palzki-Krimis waren in meinen Augen so platt von der gesamten Sprache her, dass ich ab der Hälfte aufgegeben habe, weil mir diese Subjekt-Prädikat-Objekt-Sätze dann doch zu plump waren. Von der Handlung mal ganz zu schweigen. Aber vielleicht überraschen mich ja die Kurzgeschichten?
Ich fasse mich kurz: nein. Da wir bei Markus Guthmann aufs Übelste brutal und sinnlos in „Sprechender Wein“ gemordet, bei Beate Maxian und „Im Wein liegt die Wahrheit!“ ist eine Erpressung nach den ersten Sätzen so vorhersehbar, dass es einen fast schockiert, dass hier tatsächlich keinerlei Wendung oder Überraschungsmoment eintritt und bei Susanne Kliem und „Ein besonderer Tropfen“ fragt man sich am Ende nur, warum und weshalb. Und zwar nicht nur die Handlung, sondern die ganze Geschichte und irgendwie auch dieses Buch. Da reiht sich das „Mörderische(s) Klassentreffen“ von Harald Schneider, das im Übrigen ebenso plum und einfallslos daherkommt, doch ganz wunderbar ein. Schneider schafft es sogar noch in der Geschichte auf sich, seine Krimis, den Palzki und seinen Erfolg als Autor einzugehen – nicht nur blöd und vorhersehbar, sondern auch noch triefend vor Selbstverliebtheit.
Die „Maroni“ von Heidi Moor-Blank passt ebenfalls in das sehr platte und anspruchslose Muster der vorherigen Storys – fast scheint es, als hätte die hier versammelte Riege von b-Autoren allesamt den gleichen VHS-Kurs zum Thema „Kriminal-Geschichten verfassen für Einsteiger“ besucht. Geleitet von Harald Schneider.
Und zum Aspekt der Regionalität sei gesagt: Ein paar Pfälzer Dörfer oder Lagen benennen und in jeder Geschichte mindestens einen Wein trinken – das macht noch keinen Pfalz-Krimi. Da fehlen Dialekt, Mentalitäten und alles andere. Aber ebenso derb und einfach wie die Handlungen und Sprachstile sind eben auch die Strukturen.
PS: Als Winzer würde ich mich ja bedanken, wenn am Ende des brutalen Mordes mein Wein empfohlen wird, der wenige Seiten zuvor dazu genutzt wurde, einem Menschen K.O.-Tropfen zu verabreichen. Verkaufsförderliche ist das meiner Meinung nach nämlich nicht.

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