Plastikfrei – jetzt aber richtig!

PlastikfreiIch hatte hier ja bereits Teil 1, also „#Einfach plastikfrei leben: Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Alltag: Die besten Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene für ein Leben ohne Plastik“, vorgestellt und für sinnvoll befunden (- wenngleich ich mir ein Leben ohne meine Tupperschüsseln schwer vorstellen kann -). Keine Frage also, dass auch „Do it yourself! #Einfach plastikfrei leben: Selbstgemacht statt gekauft: Die besten DIYs für Einsteiger und Fortgeschrittene für ein Leben ohne Plastik – Umweltschonend auf Apfelpapier gedruckt“ ebenfalls im südwest Verlag erschienen, bei mir genauer unter die Lupe genommen wird.
Das Intro ist für alle, die Teil 1 kennen jetzt eher überflüssig, weil wir Charlottes Motivation und Abtrieb ja schon kennen und auch die ersten Basics mit Zahlen, Daten, Fakten und natürlich einer kurzen Zusammenfassung des altbekannten 4-Punkte-Plans ist nicht neu. Auf den Punkt gebracht geht es darum, das, was man eh hat, erst einmal weiter zu nutzen, um Geld und Ressourcen zu sparen, sich langsam an das Thema heranzutasten, Schritt für Schritt zu machen und Mitstreiter zu suchen. Und dann sind wir endlich  bei den heiß ersehnten anwendbaren Tipps, denn um die soll es hier ja gehen. Gelebte Plastikfreiheit sozusagen. Dabei finde ich schon die ersten Tipps extrem umständlich: sich Onlinebestellungen mit Freunden teilen, mag bei Studis in einer Stadt funktionieren, bei arbeitenden Menschen, die vielleicht weiter auseinander wohnen und sich nicht täglich sehen ist das zusätzlicher Aufwand. Und den Ofen im Idealfall für mehrere Dinge nutzen, ist sicher sinnvoll, ergibt sich aber einfach nicht immer. Zumal es ja wenig Sinn macht, wenn ich dann für abends vorkoche und es dann aber abends eh nochmal im Ofen warm machen muss.
Dann begeben wir uns zusammen ins Bad, wo erstmal der Tipp folgt, möglichst viel unverpackt zu kaufen bevor wir uns Puder, Lippenstift, Kajal, Mascara, Fixing-Spray, Haarspray, Masken, Abschminkpads, Seifen, Haarseifen, Zahnpasta und Co selbst herstellen. Die Ideen sind ja ganz nett (einiges davon kenne ich bereits aus meiner Jugend als es Trend war, sich bei Spinnrad mit ätherischen Ölen einzudecken, um dann Bodylotions, Seifen und Lipbalm selbst herzustellen), aber nicht alles finde ich praktikabel. Die richtig angesetzte Seife mit Lauge ist eine im wahrsten Sinne „ätzende“ Prozedur, dir Zeit, Platz und Nerven kostet.
Ob ich die Puder aus Zimt, Kartoffelstärke und Kakaopulver vertrage, wüsste ich nicht so genau, aber alleine die Vorstellung, dass ich dann wie ein Plätzchen rieche, finde ich merkwürdig. Die Anregung, aus Pflanzen Farbpigmente zu gewinnen, finde ich super, aber wenn ich dann lese, dass ich das in mehreren Schritten im Ofen mehrere Stunden trocknen lassen muss bei niedriger Temperatur dann frage ich mich schon, ob plastikfrei auf Kosten der Ökobilanz dann sinnvoll ist. Die Tipps im Bereich Haushalt, sind super, aber irgendwie kenne ich die schon von anderen Büchern und aus diversen Life-Hack-Videos. Da lernen wir, wie man Waschmittel, Weichspüler, Putzmittel und Spüli herstellt, was man mit Natron so alles machen kann und schon sind wir durch und landen bei den Lebensmitteln.
Bienenwachstücher, Eispops, Infused Water, Kräuterwürfel – das wirkt alles so ein bisschen arg zusammengestoppelt und querbeet. Kühlschranktipps, Resteverwertung und Tipps für unterwegs – nichts Halbes und nichts Ganzes meiner Meinung nach. Schade.
Im Gegensatz zu Teil 1 wirkt dieses Buch wie der verzweifelte Versuch, aus dem Anfangserfolg möglichst viel weiteres Kapitel zu schlagen bevor der Boom rum ist. Mit einer Ansammlung aus Hausmitteln, Life-Hacks und Öko-Tipps gelingt das nicht. Leider für mich ein Flop.