Rote Reben: „Blut ist dicker als Wein“

blutStudentin Kristina lebt glücklich und zufrieden mit ihrem Freund Daniel, der gerade an seiner Doktorarbeit sitzt, in den Tag hinein als die Idylle durch den Unfalltod von Kristinas Familie jäh zerstört wird.
Nicht nur den Verlust von Bruder und Mutter (- der Vater liegt schwerstverletzt im Krankenhaus, seine Genesung ist unsicher) muss die junge Frau verkraften, sondern wird quasi über Nacht zur Weingutsbesitzerin. Zwar ist sie auf dem Weingut aufgewachsen, hat sich jedoch nie wirklich dafür interessiert und bereitwillig dem Bruder die Fortführung des Familienbetriebs überlassen – entsprechend unbedarft stolpert sie in die neue Herausforderung. Neben den neuen Aufgaben, die das Paar erwarten, gibt es natürlich Lügen, Intrigen, Geheimnisse und mehr.
Was in dieser Zusammenfassung jetzt vielleicht ein bisschen nach einem Rosamunde-Pilcher-Roman klingt ist in Wirklichkeit der hervorragend geschriebene und spannende – ich möchte es nicht direkt Krimi nennen – Winzer-Kriminalroman „Blut ist dicker als Wein“ von Jochen Hamatschek (ulmer Verlag).

Ich habe das Werk wirklich verschlungen und fand es an keiner Stelle langatmig oder anstrengend. Besonders begeistert hat mich die Idee, einen Mitarbeiter des Weinguts mit philosophischen Tendenzen zu entwerfen, der Daniel -und damit nebenbei dem Leser- allerlei Wissenswertes rund um Wein, Traube und Winzerdasein vermittelt. Ganz großes Kino kann ich da nur sagen. Dass der Autor, Dr. Jochen Hamatschek, von 1990 – 1992 eine Professur für Kellerwirtschaft an der Forschungsanstalt Geisenheim hatte, merkt man deutlich. Auf anschauliche Weise gleitet man elegant in die Materie „Wein“ ein ohne, dass es den Roman beschweren oder holprig werden lassen würde. Für mich ein ganz dankbarer Tipp für alle Weinfans, welche die gängige Literatur schon durch haben und statt endloser Krimireihen mal ein Einzelwerk mit Stil haben möchten.

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