Schlaflose Nächte mit Charlotte Link

link.jpgWenn mich ein Buch richtig fesselt, dann kann man mein Erlebnis damit in etwa als „hell-dunkle-hell-dunkel-hell-dunkel-fertig“ beschreiben, denn dann schaffe ich es manchmal tatsächlich nicht, das Buch aus der Hand zu legen und das letzte, was ich abends tue, ist lesen und das erste, was ich morgens tue, ist, das fortzusetzen. Ging mir nach etlichen eher mäßigen Krimis und Thrillern in letzter Zeit zum Glück mit „Die Suche“, dem neusten Werk Links mal wieder so. Die weiß schon ganz genau, wie man seine Leser fesselt, muss ich sagen. Wobei ich auch zugebe, dass ich Charlotte Link immer nur in kleinen Dosen mag. 

Zu viele Bücher von ihr am Stück und ich werde des Stils irgendwann überdrüssig, zumal dann immer irgendwann die Erkenntnis wiederkommt: Der Täter ist immer irgendeine frustrierte Frau. Zu dem Schluss bin ich glaub in den letzten 15 Jahren jedes Mal gelangt, wenn ich so 3-4 ihrer Bücher hintereinander gelesen habe. Aber nur mal 1-2 Bücher sind super.
Besonders schön – auch als Schnell- und Vielleserin bin ich hier gut beschäftigt, denn bei 650 Seiten, hab sogar ich Zeit mal zu denken, oha, da hast du ja noch ganz schön was vor dir. Meist ist bei dem Gedanken das Buch schon fertig 😀
Den vorherigen Band „Die Betrogene“, der sich ebenfalls um die FBI-Agentin Kate Linville und Ermittler Caleb Hale dreht, kannte ich nicht, was aber im Grunde genommen keinen großen Einfluss nimmt. In Rückblenden und kurzen Erklärungen erfahren wir im Laufe des Buches nämlich, was im ersten vorgefallen ist und, wie die Personen daher zueinander stehen. Schnell ist man in der Geschichte drin, aber mit den vielen Handlungssträngen und Namen tue ich mir doch ein wenig schwer und muss anfangs manchmal nochmal ein bisschen blättern, um zuordnen zu können, um wen es denn nun genau wieder geht. Den Lesefluss behindert das aber nicht. locker und leicht kommt man zügig voran und rätselt begeistert mit.
Worum es geht? Kate kommt in ihr altes Heimatdorf zurück, nachdem Sie erfahren hat, dass ihre Mieter das alte Elternhaus völlig zerstört zurückgelassen haben, um für Ordnung zu sorgen und dieses endlich zu verkaufen. Vor Ort quartiert sie sich bei einer Familie ein, deren Tochter am nächsten Tag beim Einkaufen scheinbar spurlos verschwindet. Wurde sie entführt oder ist sie vor der verhassten Klassenfahrt davongelaufen? Als am gleichen Tag die Leiche eines gleichaltrigen 14-jährigen Mädchens auftaucht, das monatelang als vermisst galt, erscheint die Situation in einem völlig neuen Licht. Kate will sich zwar eigentlich aus allem raushalten, da es nicht ihr Fall ist, wird aber unweigerlich doch in das Geschehen eingebunden. Daneben ist eine kleine Ausreißerin im identischen Alter ebenfalls unauffindbar und was ist eigentlich aus Hannah geworden, die schon vor drei Jahren in eben diesem Dorf verschwunden ist?
Sind die Mädchen abgehauen, wurden Sie entführt und hängen alle Fälle am Ende doch irgendwie zusammen?
Kate Linville ermittelt (doch).

Abgesehen davon, dass ich mir schwer damit tue zu glauben, dass 14-jährige Mädchen zu so teils komplexen Gedankengängen fähig sind und sich vor allem so hochtrabend ausdrücken würde, wie sie es hier tun (ganz ehrlich, dazu sind heutzutage kaum die meisten Erwachsenen in der Lage), ein tolles Buch. Nicht pulitzerverdächtig, nicht enorm anspruchsvoll, aber eine gute, solide und fesselnde Krimilektüre, die ich mit gutem Gewissen für ein paar unterhaltsame Stunden und schlaflose Nächte empfehlen kann.