Schwein gehabt?

schwein.jpgAls Kind hab ich alles gesammelt, was mit Schweinen zu tun hatte. Während alle Pferde und Katzen viel süßer fanden, war ich eher von den grunzenden Vierbeinern hingerissen. Was hab ich damals Referate gehalten über „Wollschweine“, „Maskenschweine“, „Trüffelschweine“ und Co. Dass meine Eltern mir damals kein Hausschwein erlaubten, hab ich Ihnen jahrelang nachgetragen. Fast bis heute – denn jetzt habe ich „Esther, das Wunderschwein“ von von Steve Jenkins , Derek Walter und Caprice Crane gelesen und bin ein bisschen… sagen wir mal „kuriert“.
Nicht falsch verstehen, ich finde Schweine nach wie vor toll und halte sie für unglaublich intelligente und mitfühlende Wesen, aber als Haustier wollte ich jetzt definitiv keines mehr. Aber kommen wir erst mal zum Buch: Tierfreund Steve, der an Tieren adoptiert, was nicht bei vier auf dem Baum ist und seinem Lebenspartner Derek schon so ziemlich alles ins Haus geschleppt hat, wird von einer alten Bekannten gefragt, ob er deren Hausschwein übernehmen könnte, weil sie schwanger sei und das nicht passe. Gutgläubig wie er ist, macht sich Steve auf den Weg (erzählt seinem Partner natürlich nichts vom Vorhaben), sieht das Schwein, verliebt sich und nimmt es mit. Dass es sich bei dem Tier leider nicht um ein kleines Schweinchen handelt, das im ausgewachsenen Zustand zarte 30 Kilo auf die Waage bringt, sondern um eine klassische Haussau, die mal locker 250-300 Kilo schafft, ahnt er bald. Dass das in einer Stadtwohnung in Toronto auf 90 qm mit zwei Hunden, zwei Katzen und einer Mitbewohnerin nicht unbedingt optimal ist, muss ich wohl nicht erwähnen. Was dabei allerdings noch an Problemen auftritt bis die ganze Truppe erkennt, dass eine Zukunft in dieser Wohnung nicht machbar ist – da hab ich allein beim Lesen manchmal richtig Aggressionen bekommen.
Ich an Dereks Stelle hätte den Mann samt Sau im hohen Bogen rausgeworfen, ganz ehrlich. Der Gute hingegen mutiert stattdessen zum Vegetarier (dann zum Veganer), hilft seinem Freund dabei, die alltäglichen Sauereien zu beseitigen und zieht schlussendlich mit ihm irgendwo ins Nirvana, damit es dem Schwein dort besser geht. Das ist jetzt überspitzt formuliert, aber im Grunde genommen läuft es genau so ab. Natürlich ist es bewundernswert, dass die beiden das Tier so schätzen, dass sie ihre komplette Lebensweise für Esther umstellen, aber irgendwie finde ich das doch zu heftig. Zumal ich mir die regelmäßigen Eskapaden (das ganze Haus zerstören, alles vollpinkeln und mehr) so schlimm vorstelle – ich habe eine Hauskatze und alleine bei der kostet mich das Reinigen der Toilette manchmal echt Überwindung. Mir vorzustellen, dass ich die Klobox einer ausgewachsenen Sau reinigen muss bzw das ganze Haus, weil sie sauer war und mal wieder nicht aufs Klo ist – bäh.
Alles in allem ein unterhaltsames Buch (literarisch jetzt nicht unbedingt so anspruchsvoll, obwohl sich die beiden Herren extra eine Autorin zu Hilfe genommen haben), das ich an vielen Stellen aber nicht nachvollziehen kann trotz aller Liebe zu Tieren und der zu Schweinen im Besonderen.

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