Seitenwechsel – aus der Sicht des Kellners

Walter Cosimo Coriano - Dottore, Pasta & AmoreKommentare und Kritiken von mehr oder weniger bewandten Genießern überfluten im Netz sämtliche Gastro-Bewertungsportale. Schlechter Service, mäßige Küche, unhöfliche Kellner und derlei Verrisse sind dabei an der Tagesordnung. Dass sich die Restaurantbetreiber dazu äußern, kommt eher selten vor. Dabei wäre es manches Mal doch ganz interessant zu wissen, ob die Vorwürfe denn berechtigt sind. Ob der Kellner vielleicht nur einen schlechten Tag hatte, der Gast vielleicht absurde Sonderwünsche geäußert hat oder schlicht einen Maßstab anlegte, der für ein Sterne-Lokal, nicht aber für die örtliche Wirtschaft angemessen war.
Einen kleinen Einblick hinter die Kulissen ermöglicht uns Walter Cosimo Coriano, Kellner in einem italienischen Edelrestaurant. „Dottore, Pasta & Amore. Geschichten aus meinem Leben als italienischer Kellner“ heißt das zugehörige Werk aus dem Westend-Verlag.

Mit einem Augenzwinkern erfahren wir, wem welcher Tisch zugewiesen wird, welches Trinkgeld angemessen ist und, wie man als Kellner (und ein wenig auch als Gast) eine „bella figura“ macht. Interessant sind die Anekdoten, die hier zusammengefasst wurden und man bekommt Informationen zu den internen Abläufen und Strukturen bei einem richtigen Italiener, die man sonst wohl nicht bemerken würde. Da muss ich nächstes Mal drauf achten, wenn ich essen gehe, ob das bei einem normalen Italiener auch so ist ^^. Ich persönlich hatte mir aber mehr erhofft. Die Geschichten sind selten wirklich witzig, meist zu bissig, zu vulgär, zu pöbelig. Es liest sich auch nicht flüssig, sondern langatmig und irgendwie bekommt das Ganze keinen richtigen Drive. Da sind die meisten Gäste unhöflich, aufdringlich, viele geizig, etliche gereizt. Ich glaube dem Autor ja, dass er gerne Kellner ist und einen anständigen Gast zu schätzen weiß, allerdings wäre ich bei ihm ungern Gast, weil ich irgendwie das Gefühl habe, dass ich mich hier quasi erst als guter Gast qualifizieren muss und stets aufpassen muss, keinen Fehler zu machen. Kann man lesen, muss man aber nicht. Wer den „Paten“ liebt und gerne so ein bisschen was über den Patron und seine Mannschaft erfahren möchte, der kann es gerne lesen, alle anderen werden sich aber wahrscheinlich auch eher langweilen. Schade.