Spargel, Stress und Schläfrigkeit

Ispargel.jpgch liebe Krimis und wenn sie gut sind, verschlinge ich sie in einem Tempo, das mir frühzeitig einen eigenen Büchereiausweis einbrachte, weil meine Mama es nicht mehr einsah, so viel Geld für Bücher auszugeben, die ich wortwörtlich „einsauge“. Im Studium hab ich mich durch 700-seitige Parzival – und Nibelungensagen gequält und wenn ich sage, dass ich bei einem Buch aufgegeben habe, dann will das was heißen. Bei „Der letzte Spargel“ von Alexa Rudolph, hebe ich allerdings die Hände und ergebe mich. Weil das Buch so  unglaublich anstrengend und langatmig ist. Weil ich keine Freude daran finde und mich auch nach Seite 100 weder in den Protagonisten noch die Handlung einfinden kann. Kommissar Poensgens, seines Zeichens Unsympathisant, der seit einem Anschlag im Rollstuhl sitzt, ist an seinem Geburtstag mit seinem Freund in Wien als er erfährt, dass seine alte Vermieterin mit Mitte 80 einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist. Da er die Gute sehr schätzte, ist es ihm ein persönliches Anliegen, den Täter zu fassen. Soweit so gut. Allerdings liest es sich schon hier nicht wirklich locker. Krampfige und holprige Sätze, ein Ermittler, der niemanden mag und der auch nur einen einzigen Freund hat (wobei ich nicht verstehe, warum überhaupt den, denn zu dem ist er auch nur arschig), der so gar keine positiven Wesenszüge zu haben scheint und aus dem ich nicht schlau werde. Gut aussehen muss er wohl, aber ansonsten bleibt er für mich blass.
Auch sein Chef ist irgendwie eine zerrissene Persönlichkeit und nicht wirklich nett – kurzum, ein Sympathieträger fehlt.
Dann begibt sich der Kommissar in Gefahr, kommt fast um – und irgendwie tut er einem nicht mal leid, weil er gleich wieder so ein Ekel zu allen ist, dass es einen schüttelt. Ein weiterer Mord – diesmal ist es der bis dato als Verdächtiger geltende Untermieter der alten Dame, der mit Ende 70 selbst kein Jungspund mehr war, stattdessen ein Ganove, Gauner und Frauenheld. Noch so eine nette Gestalt also, um die es nicht schade ist. Ach, ich wird nicht warm mit dem Buch. Auf Seite 149 ärgere ich mich über die bis dahin verschwendeten Stunden und beschließe, mir die restlichen Seiten zu schenken, denn ganz ehrlich – was mit wem hier passiert, ist mir leider nach wir vor völlig egal. Mich stresst der Gedanke, hier noch mehr Minuten zu investieren und trotz akuter Schläfrigkeit dem öden Geschehen zu folgen. Weder köstlich, noch fesselnd. Zumindest für mich. Aber einen hübschen Grünton hat der Einband. Immerhin.

Advertisements