Stilvoll betrunken

kunst trunk.jpgDass bei den Pfälzern der Wein quasi zu den Grundnahurngsmitteln zählt, kann mein Freund nach wie vor nicht nachvollziehen und findet es mehr als bedenklich. Für ihn sind wir alle, also die Pfälzer als solche, ja generell verkappte Alkis, denn wo gibt es das sonst, dass es zu nahezu jedem Essen ein Getränk mit Prozenten gibt.
Ich gebe schon zu, dass der Pfälzerwohl selten eine Gelegenheit auslässt, anzustoßen, aber das mit dem verkappt (- lassen wir das). Ich für meinen Teil finde es in gemäßigtem Rahmen unbedenklich und erhoffe mir daher von „Über die Kunst der Trunkenheit. Plädoyer für den gepflegten Rausch“ ein paar gute Argumente für ein gelegentliches Gläschen Wein am Abend…

Das Werk von Marcus Reckewitz ist im Anaconda-Verlag erschienen und widmet sich in seinen elf Kapiteln dem Alkohol seit Anbeginn der Menschheit. Dabei soll weder der Alkohol verharmlost werden, noch zu sinn-und maßlosem Konsum angeregt werden. Vielmehr geht es darum, die Historie des Alkohols darzulegen und den moderaten Umgang mit der „Droge“ zu vermitteln. Wir erfahren wie der Alkohol in das Leben der Menschen trat, wie sich das Verhältnis des Menschen zum Alkohol in der Geschichte entwickelt hat, welchen Stellenwert er hatte und, warum er ein Zeichen für „Zivilisation“ ist und warum es das „Recht auf Unvernunft“ geben muss. Neben den historische Entwicklungen, Persönlichkeiten und Begebenheiten, spickt der Verfasser sein Werk mit kunterbunten Zitaten zum Thema und liefert natürlich auch das ein oder andere Rezept wie „Harvey Wallbanger“, „Martini Dry“, „Kir Royal“ und „Bloody Mary“. Passend dazu folgt dann natürlich auch immer der Hintergrund und die Entstehungsgeschichte der Drinks, aber auch „Reinheitsgebot“, „Craftbeer“ und Alkohol in anderen Kuturen und Religionen werden hier angesprochen.
So süffig und beschwipst das Buch auch daherkommt, verpasst es der Verfasser nicht, stets daran zu erinnern, dass man den Alkohol mit Verstand und Maß genießen soll. Statt ihn zu verteufeln oder schlecht zu reden, gibt Reckewitz Tipps und Anregungen zum moderaten Konsum und dazu, wie man morgens ohne Kater erwacht.
Wer sich also für die historische und kulturelle Entwicklung des Alkohols interessiert und ab und an mal ein knackiges Zitat oder gutes Argument für ein Glächen Wein sucht, der wird hier bestens bedient.
Vor allem liest sich das Ganze so unterhaltsam und leichtfüßig, dass man fast in einem Schwung durchgleitet ohne jegliche Nebenwirkungen. Für mich eine tolle und informative Lektüre, die ich jedem „Gelegenheitstrinker“ (und das meine ich hier äußerst positiv) nur ans Herz legen kann.

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