Süßer Zucker, herbe Kost?

zucker.jpgWie schädlich Zucker jetzt tatsächlich ist, darüber sind sich die Forscher ja nicht so ganz einig. Fakt ist, dass zu viel Zucker dick macht, die Zähne angreift und man wohl eine Gewisse Sucht nach der Süße entwickelt, wenn man sie nicht in Maßen, sondern in Massen konsumiert. Immer mehr Menschen versuchen daher ganz bewusst mehr oder weniger vollständig auf ihn, den man auch als Glucose, Fructose, Galactose, Maltose, Saccharose, Isomaltulose, Fruchtzucker, Traubenzucker bezeichnet, zu verzichten. Einer von diesen Menschen ist Sarah Wilson, die mit ihrem Erstlingswerk „Goodbye Zucker!“ einen Bestseller gelandet hat und eine ganze Bewegung ausgelöst hat. Teil zwei „Goodbye Zucker- Für immer. Mit 148 neuen zuckerfreien Rezepten und 4-Wochen-Wellness-Programm“ knüpft jetzt an diesen Erfolg und den Grundgedanken an: Ohne Zucker ist alles besser!

Auf den ersten Seiten verrät uns die Autorin mit dem „Goodbye-Zucker-Wellness-Codex“ warum sie selbst anfing auf das Süßungsmittel zu verzichten, welche Erfahrungen sie damit gemacht hat, wie auch wir ohne ihn auskommen, wie wir der Routine entkommen und alles rund um gesunde Ernährung. Statt auf Süße setzt sie auf Fett, das weit weniger schlimm sei als sein Ruf. Neben Tipps für den perfekten Einstieg in das Thema gibt es allerhand Anregungen dazu, wie wir es schaffen, durchzuhalten und dem Zucker wirklich dauerhaft „goodbye“ zu sagen.
Das liest sich alles ganz hervorragend und total einfach, aber nach einem Blick auf meine lactosefreie Milch erkenne ich, dass ich bei ihrem maximalen Tagespensum an Zucker (erlaubt sind Süßstoffe und Reissirup in geringen Dosen) bereits  mit einem großen Milchkaffee bei locker 8g bin und damit über der Toleranzschwelle. Stattdessen auf Kokosdrinks umzusteigen, den Kaffee schwarz zu trinken oder Ähnliches stresst mich schon bevor ich es ausprobiere. Auch die Vorstellung, bei Heißhunger auf „süß“ einen Löffel Kokosöl mit Zimt zu essen, finde ich nicht sonderlich sexy.
Weiterhin gibt sie uns Tipps wie wir in alle Mahlzeiten mehr Gemüse integrieren und uns allmählich die Umstellung zur Routine machen. Liest sich gut, aber bei mir endet es da schon irgendwie.
Auch die 148 Rezepte, die sich in „Interessante Frühstücksideen“, „Prima zum Mitnehmen“, „Neu gestalte Wohlfühlklassiker“, „Zur Wochenmitte gibt’s Gerichte aus dem Topf“, „Schlemmereien zum Beeindrucken von Skeptikern“, „Mittagessen und Snacks für Kids“, „Ein Schokoladenkapitel“, „Mit Resten zaubern“ und „fermentiertes, Saucen und Dressings in Gläsern“ überzeugen mich nicht ganz. Ich gebe zu, dass ich eher fettarm koche und esse, weswegen mir der Ansatz, statt Zucker einfach mehr Fett zu nehmen, generell schwer fällt. Zum Frühstück „Sardinen-Frühstückstopf“ mit Spinat, Käse, Ei und Sardine, „Gebackene Bohnen mit Schweinebauch im Schongarer“ lockt mich ebenso wenig wie der „Mexikanische Nacho-Muffin“ mit Hack, Zwiebel, Mais und Chili – zumindest morgens. Auch die diversen Drinks mit Rucola, Spinat, Sellerie, Fenchel, Kürbispüree oder Erdnussbutter sind schlicht nicht meines. Ich mag das ganze Zeug ja, aber bitte als Gemüse und nicht als Saft.
„Hamburger auf Salat in der Schüssel“, „Nachhaltige Fish and Chips“, Gebratene Hähnchenkeulen“, „Orientalische Hackfleisch-Pizza „Meatza““ und „Blumenkohlpizza“, „Gebackene Hühner-Frühlingsrollen“, „Koreanische Schweinefleisch-Tacos mit Gurkensalat“, „Knuspriges Brathähnchen mit Süßkartoffel-Auflauf“, „Vietnamesisches Hühner-Curry“ und „Tarte Tatin mit Fenchel“ finde ich sogar durchaus lecker – wenn auch alles etwas zu fettig für meinen Geschmack. Generell esse ich eh wenig Zucker, aber zum Frühstück mag ich einfach nichts Herzhaftes und schon gar nichts Fettiges und in meinen Kaffee gehört meine Milch. So einfach ist das bei mir. Und da gibt es auch nichts dran zu rütteln, denn sonst hab ich ja schon morgens miese Laune.
Miese Laune hätte ich wohl auch bei den Schlemmereien, mit denen die Autorin begeistern möchte, denn die Zitronen-Meringue-Törtchen in Gläsern“ bestehen in erster Linie aus FETT mit viel Ei, etwas Stevia und Reissirup. Bäh! Auch die „Schoko-Pfefferminz-Würfel“, die „Eisbecher-Geburtstagstorte“,  der „Festliche Biskuit-Osterkuchen“ und die „Nuss-Kokos-Bombe mit Karamellfüllung und Schokosauce“ bestehen in erster Linie aus Butter, Nüssen, Kokosöl, Kokoscreme, Avocados, Erdnussbutter und Sahne. Dass das gesünder sein soll als ein bisschen Zucker – ich bin da skeptisch. Wahrscheinlich wird man davon nicht dick, weil man sofort Dünnpfiff bekommt, wenn man da ein Stück von isst…
Für die Kiddies gibt es „Puffreis-Riegel“, „Kürbis-Käsekuchen-Lollis“, „Kokos-Mango-Lollis“, „Würzige Kürbis-Granola-Riegel“, „Reiswaffeln mit Avocadocreme“, „Knusprige Rosenkohlchips“, „Erdnuss-Mandel-Vanille-Creme“ und „Flower-Power-Eier“. Also wenn die Kinder einen Knacks haben, die so aufwachsen, kann ich das nur zu gut verstehen. (Jeremy-Thorben-Kirby-Quinn hat in seiner Frühstücksbox immer ein paar Extra-Rosenkohlchips oO)… über die Vorschläge für die Frühstücksboxen reden wir hier mal nicht. ich bin immer noch schockiert, dass die Autorin ernsthaft „Käsesauce“, „Hähnchenkeule“, „Popcorn“, „Spiegelei in Paprika“ oder einen grünen Smoothie für den geeigneten Pausensnack hält. Kinder hat sie wohl nicht?!
Im Schokoladenkapitel dreht es sich natürlich auch nur bedingt um Schoko, denn Zucker ist ja tabu. Also wird stattdessen viiiiiiiiiel Fett mit noch mehr Fett, Kakao und Stevia zu „Beinahe-Paleo-Zucchini-Brownies“, „Süßkartoffel-Macadamia-Fudge-Brownies“, „Schokoladen-Erdbeer-Brownies“, „Schoko-Kokos-Eiscreme“ und „Schokosauce“ (Kokosöl, Kakaopulver, Stevia, Salz – wohoo).
Aus Resten werden dann „Fenchel-Rote-Bete-Blätter-Suppe“, „Knochenbrühe“, „Kürbispfannküchlein“, „Sardischer Sellerieherz-Salat“ bevor wir „Fermentierte Gurken“, „Selbst gemachtes Sauerkraut“, „Ingwerlimonade“, „Selbst gemachten Frischkäse“, „Aktivierte Nüsse“, „Teriyaki-Sauce“, „Süße Chilisauce“, „Satay-Sauce“, „Erdbeerkonfitüre“, „Mayo mit Molke“, „Cremiges Dill-Dressing“ und „Grüne Detox-Sauce“ zaubern. Ein paar Programme und Menüpläne später haben wir es dann geschafft und ich weiß vor allem eines: nicht mein Ding, leider.
Ich esse wenig Zucker, bin mir dessen bewusst, dass in Fruchtjoghurt Zucker und in Saft Zucker sind, weswegen ich diese auch sparsam dosiere. Die zugegeben überflüssigen Gummibärchen werde ich mal wieder weglassen, aber meinen Milchkaffee, den gönne ich mir auch weiterhin – Sardelle am Morgen macht mir halt Sorgen.

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