Tödliche Sterneküche

bouchonAb und an verschlinge ich neben den Koch- und Backbüchern natürlich auch Bücher ohne Bilder – bevorzugt solche, mit ein bisschen Mord und Totschlag. Das trifft sich dann natürlich hervorragend, wenn die Vorliebe für Verbrechen und Gaumengenüsse zusammentreffen so wie in „Ein Soufflé zum Sterben“ von Noël Balen und Vanessa Barrot. Dass das Buch in Frankreich, genauer in Lyon spielt, merkt man nicht nur an den Schauplätzen, den Bouchons und den Leckereien, die hier aufgetischt werden, sondern natürlich auch an den Namen der Protagonistin: „Laure Grenadier“. Sie, die junge, dynamische und offensichtlich sehr attraktive Chefredakteurin des Gourmetmagazins „Plaisirs de Table“ reist in Begleitung des Fotografen Paco Alvarez nach Lyon, um eine Reportage über die berühmten Bouchons vorzubereiten.
Bereits vor der eigentlichen Ankunft erfahren Sie jedoch, dass einer der Köche, den sie für den Artikel besuchen wollten, das Opfer eines Gewaltverbrechens wurde und als Gesprächspartner nun nicht mehr zur Verfügung steht. Zwar können sie dessen besten Freund – ebenfalls ein Koche der Spitzenklasse – noch kurz sprechen, doch wenig später ist auch er nicht mehr unter den Lebenden und die Frage „Wer versucht, die Gourmetküche auszulöschen?“ steht im Raum…
Das Buch selbst ist recht einfach geschrieben, Sprachwitz oder Raffinesse sucht man da ein bisschen vergeblich, aber es liest sich flüssig runter – quasi so ein süffiger Rosé, der einen nicht umhaut, aber auch nicht schlimm ist. Ein Alltagswein – äh Buch für die abendliche Bettlektüre ohne hohe Ansprüche, aber unterhaltsam. Die Figur der Redakteurin geht neben dem wesentlich charakterlich ausgearbeiteten Fotografen irgendwie unter – zu glatt, zu makellos, zu langweilig.
Was mir gut gefällt sind aber die Bezüge zur realen Spitzengastronomie Lyons. Hier wird nicht nur Bocuse erwähnt, sondern auch dessen erste Lehrmeisterin, die Drei-Sterne-Köchin Eugenie Brazier, werden erwähnt ebenso wie die Geschichte der Bouchons. Ein bisschen kulinarische Geschichte sozusagen, die da mit einfließt. Alles in allem ein nettes Buch, das zwar keinen Pulitzer bekommt, aber mich ein paar Stunden gut unterhält.

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