Verloren in Band fünf

luisDa ich meine Krimireihen rund um Dupin, Durand und Bonnet liebe, dachte ich, dass es Zeit wäre, den Horizont ein wenig zu erweitern. Nicht nur die Region wollte ich dabei wechseln, sondern sogar mal das Land. Statt nach Frankreich geht es diesmal nach Portugal. „Portugiesische Wahrheit“ von Luis Sellano (Heyne) passt optisch perfekt zu den anderen Ermittlern, weswegen es mir direkt ins Auge gesprungen ist. Na, dann: „vamos lá.“

In einem Nobelhotel, in dem auch die Mutter von Henrik Falkner untergebracht ist, wird bei Renovierungsarbeiten im Pool eine einbetonierte Leiche gefunden. Klingt soweit nicht sonderlich spektakulär, aber die Kulisse hat definitiv Potenzial.
Ich habe es genau bis Seite 100 geschafft, dann gebe ich absolut entnervt auf. Bereits bei Seite 40 hatte ein extremes Tief, das  mich fast zum Aufgeben gezwungen hätte, aber hier kapituliere ich nun wirklich. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den letzten 25 Jahren tatsächlich schon einmal aufgegeben habe egal wie langweilig, langatmig oder belanglos ich die Story und das Konzept fand. Als studierte Germanistin mit Schwerpunkt Mediävistik bin ich es gewohnt, mich auch mal durch Texte zu quälen, aber das hier geht einfach nicht. Ich habe bereits viele Stücke aus Reihen gelesen, ohne die vorherigen Bände gekannt zu haben und hatte damit nie ein größeres Problem. Manchmal dauert es etwas, bis man Zusammenhänge versteht, aber irgendwie kommt man eigentlich immer rein. Hier funktioniert das leider nicht. Bereits zu Beginn erinnert sich Henrik immer wieder an eine Gefangenschaft, der er erst vor wenigen Tagen entkommen ist und faselt andauernd irgendwas von Drogen, die man ihm wohl dort verabreicht hat. Dann kommt die Ermittlerin Helena, mit der er wohl mal liiert war und zu der das Verhältnis kompliziert ist. Kompliziert wie alles an diesem Buch. Permanent wird irgendwas erwähnt oder angedeutet, was sich in einem der vorherigen Bände ereignet hat, wobei diese Anspielungen entweder nur extrem vage gehalten sind oder einfach so unwichtig, dass ich nicht verstehe, warum man sie erwähnt. Um den eigentlichen Fall, den Toten im Pool, hat es sich bis zu Seite 100 auf maximal 10 Seiten gedreht. Auf den anderen werden Geschehnisse aus der Vergangenheit einbezogen, die man als „Neuleser“ einfach nicht versteht. Da gibt es den verstorbenen Onkel, von dem er ein Antiquariat vererbt bekommen hat, in dem dieser offenbar Hinweise auf seinen Tod (nicht natürlicher Natur) hinterlassen hat, die ehemalige Mitarbeiterin seines Onkels, die dessen und Henriks Vertrauen missbraucht hat, einen ehemaligen Mieter im Haus des Onkels, der ebenso verlogen war, irgendwelche Azujelos und einen Mann namens Lobo sowie den Mann ohne Bauchnabel. Nee, sorry, da blickt man, wenn man hier einsteigt schlicht nicht mehr durch. Und Lust, die vorherigen Bände noch schnell zu lesen, habe ich auch nicht, weil ich mit den Häppchen, die hier eingestreut sind, wohl an vielen Punkten schon ahnen kann, wie es ausgeht. Für mich leider ein ganz großer Flop.