Wasser: wunderbar und wichtig

41rYLPyWmAL._SX309_BO1,204,203,200_Wer sich im letzten Jahr an „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde erfreut hat, der kann nun endlich mit dem zweiten Band der begnadeten Erzählern fortfahren. „Die Geschichte des Wassers“ heißt es diesmal und ich verrate so viel – es lohnt sich. Diesmal haben wir es nur mit zwei Handlungssträngen zu tun, also deutlich überschaubarer. Manch einer mag das jetzt ein bisschen langweilig finden, weil es der Geschichte ein wenig Tempo nimmt und man weniger Sprünge hat. Ich persönlich empfand das aber als ganz angenehm. Wie die beiden Erzählstränge aber schlussendlich zusammenhängen, das wird so schnell nicht klar und das macht gerade auch den Reiz aus. Begierig darauf, endlich zu erfahren, wie die Geschichten zusammenhängen liest man mit großer Spannung und schafft dabei mühelos Kapitel um Kapitel -auch, wenn diese deutlich umfangreicher ausfallen als beim Erstlingswerk.
Während man bei den Bienen mal zwischendurch schnell ein kleines Kapitel geschafft hat, muss man sich hier doch ein bisschen mehr Zeit nehmen, was ich in Anbetracht der rundum gelungenen Handlungsstruktur aber auch sehr angemessen finde 🙂
Aber worum geht es eigentlich? Im gegenwärtigen Norwegen kehrt die 70jährige Signe, eine renitente Umweltaktivistin, nach Jahren zurück in ihre Heimat. Vom Vater die Liebe zur Natur und insbesondere zu den heimischen Gewässern geerbt, entfremdete sie sich früh von der Mutter, die dem Kraftwerkbau der Gemeinde gegenüber nicht abgeneigt war, weil sie davon profitierte. Als sie erfährt, dass Gletschereis abgebaut werden soll, damit in heißen reichen Ländern die Getränke gekühlt werden könne, macht sie sich mit ihrem Segelboot auf den Weg nach Frankreich. Dort hofft sie auf Magnus, ihre alte Jugendliebe, zu treffen, den sie als Verursacher des Skandals vermutet.
Die zweite Geschichte spielt rund 25 Jahre später in Frankreich. In Südeuropa zwingt eine schlimme Dürre die Menschen zur Flucht in den Norden, weil das Wasser knapp wird. David, ein junger Vater, der von Frau und Baby getrennt wurde, und seine Tochter gehören zu diesen Menschen, die unter der Trockenheit leiden. Gestrandet in einem Flüchtlingslager finden die beiden in einem Schuppen ein altes Boot – das von Signe. Dorthin ziehen sich beide zurück, um von einer besseren Zukunft zu träumen….

Eine erschreckende Vision vom Wassermangel, die wir uns hier in Deutschland so kaum vorstellen können, wo Wasser doch immer und überall verfügbar ist. Dieses Wasser, das Quelle allen Lebens ist, wird hier in den Mittelpunkt gerückt und erhält damit endlich einmal die Aufmerksamkeit, die es verdient. So selbstverständlich wie wir es betrachten und verschwenderisch viele von uns damit umgehen, kriegt man im Verlauf des Buches dann doch ein ziemlich schlechtes Gewissen.
Was heute in vielen armen Ländern schon normal ist, könnte auch uns eines Tages treffen. Möge dieses Buch möglichst viele Leser erreichen, berühren und wachrütteln. Noch ist es eine Vision und noch haben wir alle Möglichkeiten, diese nicht zur Realität werden zu lassen.

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