Weingenuss fürs Auge

weinSeit einem Urlaub in Österreich, in dem mir mein Vater davon vorschwärmte, dass die Österreicher die ersten gewesen seien, die erkannt hätten, dass die Vermarktung von Wein nicht alleine über das Produkt, sondern auch über das Ambiente, in welchem man den Wein genießt, funktioniere, achte auch ich sehr genau darauf, wie die Umgebung, also die Vinothek, auf mich wirkt. Erfreulicherweise ist dieser Gedanke aber auch im großen Stil in der Pfalz umgesetzt worden so dass wir uns mittlerweile einer Großzahl wunderschöner und stilvoller Probenräume und Vinotheken erfreuen dürfen. Trotzdem bleibt Österreich Vorreiter und als solcher natürlich auch 2016 immer auf der Suche nach den aktuellen Trends. Dass das auch an den Italiener als direkten Nachbarn in Südirol natürlich nicht spurlos vorbeigeht, sondern auch dort die Zeichen auf „Modernisierung“ stehen, zeigt eindrucksvoll „WeinBau Wein und Architektur in Südtirol“ aus dem Folio Verlag.

IMG_3829.JPG40 Herausragende Weingüter aus Südtirol, die – laut Andreas Gottlieb Hempel – architektonisch Besonderes zu bieten haben, werden vorgestellt. „WeinBau stellt die kreativsten Weinproduzenten und bemerkenswerte Weinarchitektur vor: Südtirol hat dank sorgfältiger Arbeit in den meist steilen Weinbergen und dank junger und engagierter Kellermeister sowie modernster Kellertechnik eine beispielhafte Entwicklung zu höchster Qualität vollzogen. Produziert wird der Wein sowohl in historischen Kellereien als auch in modernen, architektonisch herausragenden Gebäuden. Damit sind Südtirols Weingüter und Vinotheken mittlerweile zu begehrten Reisezielen für architekturbegeisterte Weingenießer geworden.“ Dass der Verlag mit Hempel genau den Richtigen gefunden haben, sich dieses Themas anzunehmen, ist unstrittig: Architekturprofessor, Journalist, Diplomierter Sommelier AIS. Nach Jahren mit Architekturbüro in München und Berufspolitik in Berlin ließ er sich in Südtirol nieder. Schreibt als Bergwanderer, Kunstliebhaber und Feinschmecker u. a. über Baukultur und Gastronomie. Quasi das, was man sich so unter einer „eierlegenden-Wollmilchsau“ vorstellt, bzw. einer, der wirklich von allen Elementen, die hier verbunden werden, Ahnung hat. Das kommt sicherlich in dieser Form nicht oft vor.

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Porträtiert werden aus Vinschgau, Meraner Land und Eschtal  Marinushof/ Weingut Falkenstein/Weingut Unterortl/ Kellerei Meran Burggräfler/ Buschenschank Bachgütl/ Ansitz Kränzelhof/ Kellerei Nals Margreid/ Kellerei Terlan.
Aus Bozen und Überetsch Kellerei Bozen/ Weingut Erbhof Unterganznr/ Erbhof Pfannenstielhof/ Kellerei Girlan/ Kellerei Schreckbicl/ Kellerei S. Michael/ Stroblhof/ Weingut Josef Brigl/ Weingut Klaus Lentsch/ Weingut Niklas/ Kellerei Kaltern/ Weingut Manincor.
Aus dem Unterland Weingut Tramin/ Weingut J. Hofstätter/ Weingut Elena Walche/ Weingut Alois Lageder/ Vineria Paradei/ Weinhof Kobler/ Weingut Peter Zemmer/ Weingut Franz Haas/ Weingut Pfitscher/ Weingut Hardenburg.
Aus dem Eisacktal folgen dann noch Bessererhof/ Wassererhof/ Weingut Garlider/ Eisackertal Kellerei/ Weingut Taschlerhof/ Weingut Manni Nössing/ Köfererhof/ Kloster Neustift/ Weingut Pacherhof/ Strasserhof.
IMG_3831.JPGWie die Qualität des Weines und die Qualität des Bauens zusammenhängen, wollte der Autor herausfinden und kam zu der Erkenntnis, dass „der Eindruck, den eine gelungene Architektur macht, auch das Urteil über den Wein (bestimmt).“ Genau das also, was mein Papa schon vor etlichen Jahren so ähnlich formulierte. Nach einem kleinen, aber feinen Intro zur allgemeinen Weinbau-Situation in Italien stellt der Verfasser zu Beginn jeder Region zuerst diese selbst vor und dann ihre Vertreter. Wir erfahren in einem Steckbrief, wer das Weingut bewirtschaftet, wo es genau steht und, wer als Architekt dafür verantwortlich war. Im Text erhalten wir dann alle relevanten Infos zur Lage der Weingüter selbst, ihre Rebsorten und eine Analyse der Architektur.
Fotografien der Winzer und Familie, der Keller, Gebäude, Lagen und Weinberge vermitteln ein umfassendes Bild der einzelnen Betriebe.
Für alle, die sich für die beiden Punkte „Wein“ und „Architektur“ interessieren, ist das Buch hervorragend geeignet – natürlich insbesondere als Vorbereitung auf den nächsten Italien-Urlaub. Ich such mir dann schon mal meine Ziele raus…

alle Bilder © Folio Verlag