Wen die Vergangenheit einholt…

jungeZugegeben, der Titel „Der Junge“ von Alex Dahl (Goldmann Verlag) ist alles andere als spektakulär und auch das Cover haut einen jetzt nicht vom Hocker, aber fand ich das Versprechen, dass es sich um einen Thriller voller Wendungen handeln sollte, interessant. Soviel vorab: Ich wurde nicht enttäuscht. Nachdem ich bei den letzten Thrillern das Pech hatte, dass alle nach dem gleichen Schema aufgebaut waren und der Plot auch starke Parallelen aufwies, wurde ich diesmal positiv überrascht.
In einer friedlichen Kleinstadt namens Sandeljord lebt die verwöhnte und nicht gerade sympathische Protagonistin Cecilia. Weil ihr daheim bei den beiden Töchtern die Decke auf den Kopf fällt, verdient sie sich nebenbei ein kleines Zubrot als Innenausstatterin, obwohl ihr Gatte ein so hohes Einkommen hat, dass sie das nicht müsste, sondern stattdessen auch den ganzen Tag lang shoppen könnte (was sie auch oft genug tut). In ihrer Welt der Schönen und Reichen beschäftigt sie sich höchstens mit der Frage nach der nächsten Dinnerparty und der richtigen Kombination an Aufputsch-Beruhigungsmitteln und Alkohol, um den Tag entspannt zu überstehen. Luxusprobleme also.
Bis sie eines Abends von der Kassiererin des örtlichen Schwimmbades gebeten wird, einen kleinen Jungen daheim abzuliefern, der nach dem Schwimmtraining nicht abgeholt wurde. Da ihr keine passende Ausrede einfällt, nimmt sie das Kind mit, obwohl sich alles in ihr dagegen sträubt. An der angegebenen Adresse muss sie feststellen, dass das Haus unbewohnt ist. Der Junge schweigt hartnäckig und bittet erst bei ihr daheim darum, die Nacht dort verbringen zu dürfen, worauf sie sich schlussendlich einlässt und es bald bitter bereut..

Ich habe das Buch zwar nicht in einem Rutsch gelesen, weil es mit seinen rund 460 Seiten doch recht umfangreich, aber ich habe es definitiv sehr zügig durchgehabt. Der Stil liest sich hervorragend, die Story ist spannend und die erhofften Wendungen gab es auch. Vieles ist vorhersehbar beziehungsweise so konzipiert, dass man vieles schon ahnt, es einem aber dennoch nicht langweilig wird, wenn sich diese Vorahnungen bewahrheiten. Vielmehr möchte man dann immer noch den letzten Hinweis haben, damit sich alles aufdröselt. Manche mögen die Zusammenführung der einzelnen Handlungsstränge und Personen ein wenig zu gewollt finden, ich kann gut damit leben und finde es schlüssig. Die Hinweise werden – vermute ich – so deutlich gegeben, dass der Leser bereits ahnen kann, was dahintersteckt, die letzten Puzzleteilchen muss einem aber dann doch noch die Autorin geben. Alex Dahl würde ich auf alle Fälle auch ein zweites Mal auf meinem Nachttisch sehen.