Wenn Rezepte die Essenz des Lebens sind

ChanceLucy hat alles, was man sich mit Mitte 30 wünscht: einen tollen Job, Erfolg im Beruf, einen wunderbaren Mann, eine tolle Wohnung.. eigentlich. Denn wie sie sich schweren Herzens eingestehen muss, liebt sie zwar das Kochen, wird im Restaurant, das sie zusammen mit ihrem Mann, der ihr regelmäßig fremdgeht, betreibt, aber ausgebeutet. Zudem schmückt er sich regelmäßig mit fremden Federn und gibt ihre Kreationen als seine aus und auch das mit der Wohnung hat sich ganz schnell erledigt als sie ihn verlässt und plötzlich quasi mittellos auf der Straße steht. Da heißt es dann „zurück zu Mutti“ und neue Pläne schmieden und das perfekte Rezept finden, also „Das geheime Rezept für eine zweite Chance„.Sich in Selbstmitleid suhlend stößt Lucy bei einem ihrer Streifzüge durch Sydeny auf ein verfallenes Haus, das sie magisch anzieht und das sich bei nährer Betrachtung als altes Restaurant entpuppt. Mit ihrem letzten Geld mietet sie dieses Restaurant, das ehemalige „Fortunes“, um dort für drei Monate einen Pop-up-Store zu eröffnen. Ehemals sogar mit Sternen dotiert, schloss es nach dem Tod seines jungen Besitzers vor rund 35 Jahren.
Dass dieser seither als Geist in den Gemäuern festhängt, da sein Ableben keineswegs der augenscheinliche Freitod war, weiß sie da natürlich noch nicht und so erschrickt sie herzlich als ihr Frankie das erste mal „begegnet“.
Mit Hilfe eines alten Notizheftes, in dem er seine Rezepte notiert hat und seiner Unterstützung haucht Lucy dem Laden neues Leben ein und auch ihr Leben wird gehörig umgekrempelt, denn der konservierte Frankie ist nicht nur schlagfertig und ein begnadeter Koch, sondern auch definitiv attraktiv.

Ich gebe zu, dass ich mir die ersten Seiten echt schwer getan habe, mich auf diese Geistergeschichte einzulassen, weil es auf den ersten Seiten einfach ein bisschen zu viel ist. Da sind Lucy, der Exmann und das alte Restaurant, dann kommt ihre mehr als skurrile Mutter, Fan aller esoterischen Einflüsse und des Lebens in einer Kommune, ins Spiel, das Fortune taucht auf und mit ihm Frankie … es überschlägt sich alles und dass es gelingen würde, daraus eine harmonische und sinnvoll strukturierte Geschichte zu entwickeln, hätte ich zu Anfang nicht für möglich gehalten. Weil das Buch aber aktuell überall so präsent angepriesen wurde, habe ich mich durch die ersten Seiten gekaut und wurde dafür belohnt. Mit einer extrem unterhaltsamen, niemals langweiligen oder langatmigen Erzählung, die mir viele entspannte und lustige Momente beschert hat. Über das Ende bin ich dann zwar irgendwie ein wenig enttäuscht, aber die Seiten davor waren es definitiv wert. Perfekte Sommerlektüre.
PS: Was ich auch wirklich schön finde, sind die eingestreuten Rezepte (- etwa in jedem längeren Kapitel eines, um das es sich zuvor gedreht hat). Wenn man schließlich so intensiv über das Kochen und die Kreationen schreibt, weckt das beim Leser durchaus Lust, das nachzukochen. Schön, dass es hier ermöglicht wird.

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