Wie grün bist du?

greenEin wenig häufen sich bei mir allmählich die Bücher und Ratgeber zum Thema „Nachhaltigkeit“, „plastikfrei“ und „Grünes Leben“ und gerade deshalb soll „My Green Home: Dein Guide für ein nachhaltiges Zuhause. Für Einsteiger und Fortgeschrittene. Schritt für Schritt zu einem nachhaltigen Lebensstil, ökologischem Denken und fairem Konsum“ von Christine Weidenweber, Jana Wischnewski-Kolbe und Anne Peter (Knesebeck Verlag) da nicht fehlen. Hoffentlich finde ich diesmal wie erhofft richtig praktische Tipps und gute Anleitungen.

 

Erstmal heißt es „Bestandsaufnahme“ mit dem „Life-Check“, in dem wir erste kleine Tipps von Müllvermeidung über Autoverzicht und saubere Energien erhalten. Und dann folgt die Stunde der (bitteren) Wahrheit: Listen zum Abhaken, wie nachhaltig wir selbst in den Bereichen „unterwegs“, „beim Lebensmitteleinkauf“, „in der Küche“, „im Badezimmer“, „beim Putzen“ und „im Alltag“ sind. Ich gebe zu, ich schneide bescheiden ab. Ich nutze keine Öffis, habe unterwegs nicht mein eigenes Besteck dabei, nutze kein Stofftaschentuch, kaufe Avocados, gehe nicht mit einem Brotbeutel zum Bäcker, kaufe Milchproduket häufig, regrowe kein Gemüse, verwende Küchentücher aus Papier, verwende Backpapier, friere in Plastikbeuteln ein, trinke kein Leitungswasser, nutze Duschgel statt Seife, verwende keinen Rasierhobel und kein festes Shampoo und keine Zahnputztabletten, mache meine Reiniger nicht selbst, wasche nicht  mit Efeu, besitze ein Auto, leihe nichts, sondern kaufe alles – oh weh, bei mir ist wohl ziemlich viel Optimierungspotenzial. 
Deswegen starten wir auch direkt mit „My green kitchen“ und zahlreichen Tipps zum nachhaltigen Einkauf (- ziemlich viel dreht sich hier um den Einkauf von Glas und Papier statt Blech und Plastik). Das Konzept der „unverpackt“-Läden wird vorgestellt und wir bekommen Anleitungen für „Hafermilch, „Hummus“ und „Joghurt“. Um generell weniger Wegzuwerfen und besser zu planen, wird „Meal prep“ erläutert und mit einem entsprechenden Wochenplan detailliert dargestellt, es wird geklärt, wie lange Lebensmittel nach Ablauf des MHD noch genießbar sind und wir bekommen praktische Rezepte für Resteverwertung wie „Überbackener Obstsalat“, „Resteaufstrich“, „Bauernfrühstück“, „Nudelauflauf mit Brokkoli“, „Arme Ritter“ und „Semmelknödel“. 
Das Thema „Regrow“, also aus Gemüseresten wieder neue Pflanzen wachsen zu lassen, finde ich super, aber arg umständlich und zeitintensiv, das Thema „Kompostieren“ mit Haufen und Wurmkiste, muss man halt wollen. Mir persönlich für den Balkon dann doch arg unsexy. 
Bei „My green cleaning“ dreht es sich um Mülltrennung, Recycling von noch funktionstüchtigen Dingen wie Büchern, Klamotten, usw., das Herstellen von Putzmitteln, eine Übersicht über Haushaltsmittelchen und deren Funktion und einen Guide zum besseren Wäschewaschen. Abgerundet werden die Kapitel dann noch durch Interviews mit Menschen, die das mit dem „Green living“ deutlich besser können als ich. 
In „My green bathroom“ lernen wir in erster Linie, welche Produkte man durch nachhaltige Alternativen ersetzen kann, welche warum für die Umwelt so ein großes Problem darstellen (Feuchttücher, Haargummi, Nagellackentferner), wie man Naturkosmetika selbst herstellt (Shampoo, Spülung, Rasierschaum, Haarwachs, Haarspray, Seife, Masken, Lippenpflege, Bodybutter, Deo, Peelings, Handcreme, Fußcreme – auf alle Fälle jede Menge). 
„My green living“ wirft einen kritischen Blick in unsere Wohnungen und beschäftigt sich  mit der Frage, wie man mit Minimalismus und Ordnung nachhaltiger lebt. Gesunde Produkte aus den Bereichen Wandfarbe, Böden, Möbel und Einrichtungsgegenstände werden vorgestellt und Upcycling-Tipps zu Dosen, Gläsern und Kisten gegeben. Schöne Ideen und gute Infos für alle, die sich neu einrichten oder gerade umziehen. 
Und last but not least gibt es mit „My green life“ noch die Rubrik mit den Hinweisen für unseren Alltag. Wo kann ich was leihen, tauschen, verschenken, gebraucht erwerben usw. Für alle, die trotz nachhaltigem Leben nicht gänzlich auf ein bisschen Shopping-Freude verzichten wollen, eine dankbare Liste. Und damit wir in dem Dschungel an Siegeln noch wissen, welche wofür stehe und auf welche wir achten sollen, gibt es auch hierzu noch eine schöne Übersicht. Praktisch. 
Mein Fazit: ein kompaktes Buch mit vielen guten Ideen, Denkanstößen und einfachen Tipps, um sein Leben nachhaltiger zu gestalten. Viele Fotos, die Interviews und Listen zum Abhaken, lockern das Buch auf. Schön ist, dass bei der Bandbreite der Vorschläge sicher jeder etwas findet, das er direkt umsetzen kann, etwas, das mit geringem Aufwand möglich ist und einiges, was nur geringer Umstellungen bedarf. So kann man sich ganz individuell den Grad seiner „Passion“ selbst aussuchen. Soft-Version oder Hardcore. Mir persönlich reicht eine mittlere Schiene, bei der ich versuche, ein paar Kosmetika selbst herzustellen, beim Einkaufen auf Dosen zu Gunsten von Glas zu verzichten und das mit dem „Regrow“ zumindest mal zu versuchen. Wurmkiste und Auto-Verzicht sind dann vielleicht im nächsten Leben dran.