Zeitreisen in extrem

erinnerungEin rätselhaftes Phänomen, bei dem sich die Menschen umbringen, weil sie von vermeintlich falschen Erinnerungen heimgesucht werden, das klingt  unglaublich spannend. Und so landet „Gestohlene Erinnerungen“ von Blake Crouch auf meinem Nachttisch. Wie entstehen Erinnerungen? Wie kommt es dazu, dass wir uns an Dinge zu erinnern meinen, die wir gar nicht wirklich erlebt haben, sondern von denen uns nur berichtet haben? Das sind so Punkte, die ich selbst schon erlebt habe und mich dann gefragt habe, inwiefern man seinem eigenen Gedächtnis glauben darf bzw. wie weit es uns auch nur glauben machen kann. Genau mein Buch also.
Würde ich mich morgen früh plötzlich an ein weiteres Leben erinnern, das ich geführt habe oder sogar an mehrere, ich würde vermutlich wahnsinnig werden. Nachvollziehbar also, dass sich etliche Menschen bei Crouch deswegen das Leben nehmen. Im Mittelpunkt steht der New Yorker Detective Barry Sutton, der sich nach dem frühen Tod der Tochter von seiner Frau hat scheiden lassen und seither eher schlecht als recht sein Dasein fristet. Als er es nicht schafft, eine Frau, die berichtet unter diesem „False Memory Syndrom“ zu leiden, vom Selbstmord abzuhalten und diese vor seinen Augen vom Hochhaus springt, schlittert er mitten hinein in die Machenschaften, die tatsächlich dahinter stecken. Parallel beziehungsweise versetzt, lesen wir aus der Sicht der Wissenschaftlerin Helena Smith, die an einem Stuhl zur Konservierung von Erinnerungen arbeitet, um ihre Mutter, die an Alzheimer erkrankt ist, zu „retten“. Dass Smith‘ Forschung natürlich irgendwie mit dem Phänomen zusammenhängen ist schnell klar. Ich spreche hier von versetzt, weil wir hier temporeich zwischen beiden Blickwinkeln und diversen Zeiten springen. Mal nach vorne, mal nach hinten. Ich persönlich fand das extrem anstrengend und verwirrend. Auch das Zusammenführen der beiden Protagonisten zu einer Handlung, macht es kaum besser, denn nach wie vor gibt es diverse Zeitsprünge und Versetzungen.
Die Handlung ist beängstigend, die Story fesselnd, aber ungefähr ab der Hälfte gingen mir die andauernden Zeitreisen und Katastrophen, die damit einhergehen einfach nur noch auf den Sack. Sorry, wenn ich hier so plump werde, aber ich habe mich selten, sehr selten so über die mit einem Buch verschwendete Zeit geärgert. Mag daran liegen, dass ich Science Fiction und Weltuntergangsszenarien á la Spielberg so rein gar nichts abgewinnen kann, aber auch der Schreibstil des Autors war nicht meines. An vielen Stellen habe ich angefangen quer zu lesen, weil mich Landschaftsbeschreibungen angeödet haben, weil  mir Horrorszenarien zu ausufernd wurden und ich schlicht nur ein Ziel hatte: das Ende. Und dann wurde wieder gestorben und noch einmal der Versuch unternommen die Welt zu retten und wieder wurde es noch schlimmer und und und. Nein und nochmal nein. Ich kann für dieses Buch leider kein Lob aufbringen. Schlimmer als die gestohlenen Erinnerungen ist da eindeutig die gestohlene Zeit, die mich das Lesen gekostet hat. Schade drum.